Nächte in der Halle der Würdigen
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Sejong, der 1418 mit zweiundzwanzig Jahren den Thron bestiegen hatte, verlor im Winter desselben Jahres Sim On, den Vater seiner Königin, Dame Sim. Es war ein Tod, den der Altkönig Taejong verhängt hatte – er hatte den Thron abgegeben, das Heer aber in der Hand behalten. Obwohl die Königin ihren Vater verloren hatte, blieb sie an der Seite des Königs. Als der Altkönig Taejong im fünften Monat 1422 starb, begann endlich die Zeit des jungen Königs.
Figuren
1420: 24 Jahre alt
Mutter von zehn Kindern
Übernahm stets den Nachtdienst
Erfundene Figur dieser Folge
Erfundene Figur dieser Folge
Eine Winternacht in den 1440er-Jahren, Gyeongbokgung-Palast. Selbst zu einer Stunde, in der alle schliefen, gab es ein Haus, in dem das Licht nicht erlosch.
noch Licht?
liest noch.
Sein Name war Jiphyeonjeon, die Halle der Würdigen – „das Haus, in dem sich die Würdigen versammeln“.
Etwa zwanzig Jahre zuvor
hatte der König dort zum ersten Mal junge Gelehrte versammelt.
1420 baute der König die Halle der Würdigen, die nur noch dem Namen nach bestanden hatte, großzügig aus und versammelte dort ausgewählte junge, begabte Gelehrte.
Findet ihn für mich.
Die Gelehrten erforschten alte Einrichtungen und Bücher und erstatteten dem König Bericht, und in seiner Gegenwart lasen und erörterten sie gemeinsam die Klassiker.
1426 erteilte der König drei jungen Gelehrten einen unerwarteten Befehl.
Lest zu Hause nichts als Bücher, so viel Ihr wollt.
Und zeigt mir dann die Früchte davon.
Urlaub, um Bücher zu lesen statt Staatsgeschäfte zu führen – das war „Sagadokseo“, der Leseurlaub.
Auch der König las bis tief in die Nacht Eingaben und Bücher. In solchen Nächten brannte auch in den Gemächern der Königin lange Licht.
Majestät.
Es geht um das Volk,
das kann ich nicht aufschieben.
Fast alle Menschen in Joseon waren Bauern.
Doch die Ackerbaubücher im Land waren chinesische Bücher. Sie waren für Chinas Böden und Chinas Wetter geschrieben.
Den Ackerbau Joseons
musste man von Joseons Bauern lernen.
Der König erließ einen Befehl an die Gouverneure der Provinzen.
In jedem Dorf sollten sie die alten Bauern aufsuchen, sie nach den Anbauweisen fragen, die sie ihr Leben lang gepflegt hatten, alles aufschreiben und einreichen.
BeamterWie wählt Ihr den Saatreis aus?
Alter BauerMan legt ihn ins Wasser, dann sieht man’s. Was oben schwimmt, wirft man weg, nur was untergeht, nimmt man.
1429 erschien ein Buch, in dem diese Worte gesammelt waren – das Ackerbau-Handbuch Nongsa Jikseol.
Es erschien im Namen des Königs, doch verfasst hatten es die alten Bauern Joseons.
1430 wollte der König das Steuergesetz ändern.
Bis dahin zogen Beamte jedes Jahr über die Felder, schätzten, ob die Ernte gut oder schlecht war, und legten danach die Steuer fest. Oft setzten sie sie ganz nach eigenem Gutdünken fest.
Bevor er ein neues Gesetz festlegte,
beschloss der König, zuerst das Volk zu fragen.
3. Monat 1430.
Beamte zogen durch die Hauptstadt und die Kreise der acht Provinzen und fragten.
BeamterDas neue Steuergesetz – dafür oder dagegen?
Vom hohen Beamten bis zum namenlosen Bauern, fünf Monate lang –
172.806 Menschen antworteten.
98.657 waren dafür, 74.149 dagegen.
Im fruchtbaren Süden waren die meisten dafür; in den kargen Provinzen Pyeongan und Hamgil waren fast alle dagegen.
Die Befürworter waren in der Mehrheit. Doch der König setzte das Gesetz nicht sofort in Kraft.
Vierzehn Jahre lang überarbeitete der König das Gesetz danach wieder und wieder.
Er teilte das Land nach seiner Fruchtbarkeit in sechs Klassen ein und die Ernte jedes Jahres, je nachdem, wie gut oder schlecht sie ausfiel, in neun.
Er hörte nicht nur auf die Seite, die gewonnen hatte.
Lange hörte er zu, warum die unterlegene Seite Nein sagte.
1444 wurde das neue Steuergesetz, das Gongbeop, endlich festgelegt.
In den Ämtern von Hanyang arbeiteten Sklaven, die dem Staat gehörten. Selbst eine Sklavin, die ein Kind geboren hatte, musste schon nach sieben Tagen wieder zur Arbeit erscheinen.
ist gleich wieder da…
Das Neugeborene, das sie zu Hause gelassen hatte, weinte nach Milch.
Im Frühling 1424 starb die älteste Tochter des Königs, Prinzessin Jeongso, mit dreizehn Jahren.
Drei Tage lang setzte der König die Hofversammlungen aus, ließ die Märkte schließen und das Fleisch von seiner Tafel nehmen.
Der 12. Tag des vierten Monats 1426 – der Tag, an dem die Trauerzeit um seine Tochter endete. In der Trauerrede an sie schrieb der König:
doch die Liebe kennt keines.
Fünf Tage später, am 17. Tag des vierten Monats, erließ der König einen Befehl.
Lasst eine Staatssklavin, die ein Kind geboren hat,
hundert Tage ruhen.
Er galt den Staatssklavinnen aller Ämter, in der Hauptstadt wie in den Provinzen.
1430 erließ der König einen weiteren Befehl: Weil manche bis zum Monat der Niederkunft arbeiteten und ihr Kind bekamen, bevor sie auch nur nach Hause gelangten, solle man sie auch vor der Geburt einen Monat ruhen lassen.
Und doch musste ihr Mann Makdong bei Tagesanbruch zur Arbeit gehen.
1434 brachte die vierzigjährige Königin ihren achten Sohn zur Welt. Es war ihr zehntes Kind, der Jüngste: Großprinz Yeongeung.
…Wirklich, so sehr geplagt.
Im vierten Monat desselben Jahres erließ der König einen weiteren Befehl.
Lasst auch den Mann einer Sklavin, die ein Kind geboren hat,
dreißig Tage ruhen.
Weil die Männer nicht freibekamen, konnten sie die Wöchnerinnen nicht pflegen, und manche verloren sogar ihr Leben; das war wahrhaft erbarmenswert. Es widersprach auch dem Gedanken, dass Mann und Frau einander beistehen – das war die Begründung.
In jenem Jahr ging der Staatssklave Makdong dreißig Tage lang nicht zur Arbeit.
Er machte Wasser warm, kochte Brei und wiegte das weinende Kind in den Schlaf.
Makdong…Es heißt, der König hat’s so befohlen.
DeokgeumOb der König wohl auch… schon mal ein Kind geboren hat?
Auch der König hatte eine Frau, die ihm zehn Kinder geboren hatte.
Für die Königin im Palast wie für die Staatssklavin im Amt – die Nacht einer Geburt war gleich lang.
Die Jahre vergingen, und es kamen die 1440er-Jahre. In die Halle der Würdigen zogen neue Gesichter ein.
Unter ihnen übernahm ein junger Gelehrter namens Sin Suk-ju die Nachtdienste, vor denen sich die anderen drückten. Denn so konnte er die ganze Nacht nach Herzenslust die Bücher der Halle der Würdigen lesen.
Jede Nacht schickte der König einen Eunuchen, um in der Halle der Würdigen nachzusehen.
EunuchEr liest noch.
Eunuch…Er liest immer noch.
Erst als der erste Hahn krähte, schlief der junge Gelehrte über seinem Pult ein.
Der König zog den Zobelpelz aus, den er trug.
SejongWeckt ihn nicht. Deckt ihn damit zu.
Als Sin Suk-ju am Morgen die Augen aufschlug, lag der Pelz des Königs über ihm.
In jener Nacht schlief auch der König nicht. Als die Königin im Morgengrauen nach ihm sah, saß er nur in einem dünnen, ungefütterten Gewand da.
Euer Pelz…
der es kälter hatte.
Die jungen Gelehrten dieses Raumes sollten später gemeinsam mit dem König die neuen Buchstaben ausfeilen.
Doch die längste all dieser Nächte
stand noch bevor.