Lang lebe die Unabhängigkeit Koreas! ②
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Im August 1910 raubte Japan dem Kaiserreich Korea sein Land. Japan herrschte mit Gewalt, gestützt auf Militärpolizei und Polizei – selbst Lehrer standen mit dem Säbel an der Seite im Klassenzimmer. Am 1. März 1919 wurde im Namen der 33 Vertreter der Nation eine Unabhängigkeitserklärung verkündet, und im Tapgol-Park in Seoul strömten Schüler, Studenten und Bürger mit dem Ruf „Lang lebe die Unabhängigkeit Koreas!“ auf die Straßen. Die Welle der „Manse!“-Rufe erfasste bald Städte und Märkte im ganzen Land.
Figuren
1919, 16 Jahre alt
Gründete im Dorf eine Schule
Führte die Manse-Kundgebung in Aunae an
Manse-Bewegung in Kaesong
Nacht des 31. März 1919 – Berg Maebong bei Cheonan, Provinz Süd-Chungcheong.
Ein Mädchen stieg auf den Gipfel und zündete trockene Zweige an.
Von einem Bergrücken jenseits der Dunkelheit antwortete ein einzelnes Licht.
Noch eins, und noch eins –
Morgen war Markttag in Aunae.
Zum ersten Mal „Manse!“ gerufen hatte dieses Mädchen einen Monat zuvor, in Seoul.
1. März 1919, nachmittags, an der Ewha-Schule (Ewha Haktang). Als vom Tapgol-Park her „Manse!“-Rufe herüberschallten, kletterten die Schülerinnen über die hintere Schulmauer und rannten auf die Straße.
Am 5. März riefen vor dem Namdaemun-Tor Tausende Schüler und Studenten erneut „Manse!“. Auch Yu Gwan-sun war unter ihnen; sie wurde festgenommen und auf Betreiben der Schule wieder freigelassen.
Am 10. März ordnete das Generalgouvernement Korea die Schließung der Schulen an. Yu Gwan-sun kehrte in ihr Heimatdorf Jiryeong-ri bei Cheonan zurück.
Sie musste den Dorfleuten erzählen, was sie in Seoul gesehen hatte.
Ihr Vater Yu Jung-gwon hatte im Dorf eine Schule gegründet. Ihr Onkel väterlicherseits, Yu Jung-mu, der Dorfälteste Jo In-won und andere kamen Nacht für Nacht im Sarangbang, dem Empfangszimmer, zusammen.
3. Mondmonat,
am Markttag
in Aunae,
lasst uns
„Manse!“ rufen.
Yu Gwan-sun fertigte mit ihrer Mutter die ganze Nacht hindurch Taegukgi-Fahnen an. Sie zog von Nachbardorf zu Nachbardorf und erzählte, was für den Markttag geplant war.
den Fingern.
Es ist spät.
sehen, schöpfen sie Mut.
1. April 1919 (1. Tag des 3. Mondmonats), mittags – Markt von Aunae.
Unter den Marktleuten wurden nach und nach Taegukgi-Fahnen weitergereicht. Rund 3.000 Menschen waren gekommen.
Jo In-won stieg auf die Reissäcke und verlas die Unabhängigkeitserklärung.
Lang lebe die
Unabhängigkeit Koreas!
Da stürmte die japanische Militärpolizei heran.
Schüsse peitschten über den Markt.
Ihr Vater Yu Jung-gwon stellte die Militärpolizisten zur Rede, warum sie Menschen töteten – und brach, von einem Bajonett durchbohrt, zusammen. Ihre Mutter Yi So-je, die ihn festhielt, verlor an Ort und Stelle ebenfalls ihr Leben.
Mutter!
An diesem Tag starben auf dem Markt von Aunae 19 Menschen.
Yu Gwan-sun wurde an Ort und Stelle festgenommen und zum Militärpolizeiposten Cheonan geschleppt.
Anführerin.
Lasst die
anderen frei.
Das Gericht in Gongju verhängte eine hohe Haftstrafe; am 30. Juni desselben Jahres verurteilte sie das Berufungsgericht Gyeongseong zu drei Jahren Haft.
Koreanerin.
Ihr habt kein
Recht, über
mich zu richten!
Zelle 8 im Frauentrakt des Seodaemun-Gefängnisses. Mit ihr saßen dort unter anderem Eo Yun-hui, die in Kaesong „Manse!“ gerufen hatte, Im Myeong-ae, die in Paju eine Kundgebung angeführt hatte und schwanger festgenommen worden war, und die blinde Sim Myeong-cheol.
was hast du nur vor…
Wenn der
1. März kommt,
rufen wir
wieder „Manse!“
1. März 1920 – Seodaemun-Gefängnis.
Auf den Tag genau ein Jahr zuvor hatte die Manse-Bewegung begonnen.
Der Ruf eines einzigen Menschen sprang auf die Nachbarzelle über, und von dort auf die nächste.
Das ganze Gefängnis bebte von „Manse!“-Rufen.
Die Wärter kamen angerannt. Yu Gwan-sun wurde hinausgezerrt und grausam geschlagen.
Danach stand sie nie wieder auf.
Am 28. September 1920 um acht Uhr morgens
tat Yu Gwan-sun im Seodaemun-Gefängnis ihren letzten Atemzug.
Sie war siebzehn. Bis zu ihrem Geburtstag fehlten gut zwei Monate.
Nach wiederholten Forderungen an die japanischen Behörden erhielten die Lehrerinnen der Ewha-Schule ihren Leichnam. Am 14. Oktober fand in der Jeongdong-Kirche die Trauerfeier statt, und sie wurde auf dem öffentlichen Friedhof von Itaewon beigesetzt.
Das Grab ging später verloren, als die japanischen Kolonialherren den Friedhof auflösten; heute ist es nicht mehr erhalten.
Fünfundzwanzig Jahre vergingen.
15. August 1945. Die Menschen strömten auf die Straßen und schwenkten wieder die Taegukgi.
Es war das „Manse!“, das sie mit aller Kraft gerufen hatte.
Yu Gwan-sun zugeschriebene WorteNur ein einziges Leben für mein Land hingeben zu können – das ist der einzige Kummer dieses Mädchens.
In jenem Frühling 1919 riefen unzählige „Yu Gwan-suns“, deren Namen nicht überliefert sind, auf den Märkten im ganzen Land „Manse!“.