Noryang, das letzte Meer
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
1597 erfuhr Yi Sun-sin, der verleumdet und ins Gefängnis geworfen worden war, auf dem Weg des „Baegui Jonggun“ – er folgte dem Heer ohne Rang als einfacher Soldat – vom Tod seiner Mutter. Unterdessen wurde die Joseon-Flotte unter Won Gyun bei Chilcheollyang vernichtet, und als Yi Sun-sin erneut Flottenbefehlshaber der drei Provinzen (Samdo Sugun Tongjesa) wurde, blieben ihm nur zwölf Schiffe. Im neunten Monat desselben Jahres hielt er bei Myeongnyang (Uldolmok) mit dreizehn Schiffen 133 japanische Schiffe auf. Doch einen Monat später fiel sein dritter Sohn Myeon, der das Haus der Familie in der Heimat Asan hütete, unter den Schwertern japanischer Soldaten.
Figuren
1598, 54 Jahre alt
Kam Joseon zu Hilfe
20 Jahre alt
Kommt, um Konishi zu retten
(erfundene Figur)
Morgen des 19. Tages des 11. Monats 1598, vor Gwaneumpo in Namhae.
Über das rauchverhangene Meer dröhnte unablässig die Trommel des Joseon-Flaggschiffs. Was dieser Trommelschlag verbarg, wusste keiner der kämpfenden Soldaten.
Die Geschichte geht drei Monate zurück.
Im achten Monat 1598 starb in Japan Toyotomi Hideyoshi.
Sieben Jahre waren seit dem Einfall in Joseon vergangen. Das japanische Heer hielt seinen Tod geheim und wollte sich heimlich aus Joseon absetzen.
In der Festung Waegyo bei Suncheon an der Südküste saßen über 14.000 Mann Konishi Yukinagas in der Falle.
Das Meer riegelten Yi Sun-sins Joseon-Flotte und die Ming-Flotte unter Chen Lin ab.
Ohne Ausweg schickte Konishi Chen Lin ein Schwert, Wein und Seide und bat ihn, ihm den Weg freizugeben.
der nach Hause will?
nicht von Frieden reden.
Den Feind lassen wir nicht ziehen!
Doch inzwischen stahl sich ein kleines Boot Konishis aufs Meer hinaus und bat Shimazu Yoshihiro in Sacheon um Hilfe.
Am Abend des 18. Tages des 11. Monats setzten sich über 500 Schiffe unter Shimazu und anderen Befehlshabern in Richtung Noryang in Bewegung.
Wir sind vor ihm in Noryang.
Yi Sun-sin hob die Blockade vor Suncheon auf und fuhr über das nächtliche Meer zur Meerenge von Noryang – über 80 Schiffe aus Joseon und über 300 Schiffe der Ming.
Neben der großen Trommel des Flaggschiffs stand Makdong, ein fünfzehnjähriger Trommlerjunge. Makdongs Vater war im Jahr zuvor nicht vom Meer bei Chilcheollyang zurückgekehrt.
Herr!
einen Sohn verloren.
fürchten sich die Männer nicht.
Was auch geschieht, lass die Trommel nicht verstummen.
Ein Jahr zuvor, am 14. Tag des 10. Monats 1597, dem Tag, an dem er vom Tod seines Sohnes Myeon erfuhr, schrieb Yi Sun-sin diese Worte in sein Tagebuch.
Dass ich sterbe und du lebst, wäre der rechte Lauf der Dinge.
Doch du bist gestorben, und ich lebe.
Kann es etwas Verkehrteres geben?
Himmel und Erde seien finster geworden, schrieb er, selbst die Sonne habe ihr Licht verloren. Und doch hörte er auch danach nicht auf zu kämpfen.
18. Tag des 11. Monats, Mitternacht.
Yi Sun-sin wusch sich an Bord die Hände und kniete nieder.
Yi Sun-sinKann ich nur diesen Feind vernichten, so sterbe ich ohne Reue.
Da fiel ein großer Stern mitten ins Meer.
Alle, die es sahen, fanden es seltsam, heißt es im Haengnok.
19. Tag des 11. Monats, gegen zwei Uhr morgens.
In die enge Wasserstraße von Noryang
fuhren über 500 japanische Schiffe ein.
Aus der Dunkelheit drängten endlos Schiffe mit Laternen heran.
Brandpfeile bedeckten den Himmel, die Kanonen spien Feuer.
Mit dem Wind im Rücken steckte die Joseon-Flotte die feindlichen Schiffe mit brennendem Reisig und Pfeilen in Brand.
Das Meer brannte.
Zwischen den Schiffen Joseons und der Ming verkeilten sich brennende japanische Schiffe und zerbarsten.
In diesem Feuerschein war das nächtliche Meer taghell.
Als der Tag anbrach, wurde Chen Lins Schiff vom Feind umzingelt. Die Feinde begannen, an Bord zu klettern.
Schiff wenden!
Der siebzigjährige Ming-Veteran Deng Zilong kämpfte auf seinem brennenden Schiff bis zuletzt und starb. Auch mehrere Befehlshaber Joseons fielen.
Die fliehenden japanischen Schiffe hielten die Bucht von Gwaneumpo für einen Weg aufs offene Meer und drängten hinein. Doch die Bucht war eine Sackgasse.
Ohne Fluchtweg kämpfte der Feind auf Leben und Tod.
Yi Sun-sin stand am Bug und führte die Schlacht.
Da durchschlug eine heranfliegende Kugel seine linke Brust.
Yi Sun-sinDie Schlacht ist in vollem Gang.
Yi Sun-sinSagt nicht… dass ich tot bin.
19. Tag des 11. Monats 1598. Er war vierundfünfzig.
Sein ältester Sohn Hoe und sein Neffe Wan unterdrückten ihr Schluchzen. Stimmten sie jetzt die Totenklage an, würden die Männer wanken, und der Feind würde die Lücke nutzen.
Flagge hoch!
Verfolgt sie bis zum Ende!
Die beiden trugen den Leichnam in die Kajüte, schwenkten weiter die Flagge und trieben die Männer an. Nicht einmal seine engsten Befehlshaber wussten davon.
Makdong schlug die Trommel. Tränen nahmen ihm die Sicht, doch seine Schlegel hielten nicht inne.
lass die Trommel nicht verstummen.
Erst am Mittag endete die Schlacht. Über 200 japanische Schiffe waren zerstört oder verbrannt.
Shimazu entkam mit gut 50 verbliebenen Schiffen nur knapp, und Konishi nutzte die Gelegenheit, durch eine andere Wasserstraße zu entwischen.
Als die Schlacht vorüber war, steuerte Chen Lin auf das Flaggschiff Joseons zu, um seinen Dank auszusprechen.
und kommt, um mich zu retten –
wie konntet Ihr sterben?
Und dann erfuhr er von dem Tod. Dreimal warf sich Chen Lin an Deck nieder und schrie vor Schmerz.
Erst da erfuhren es die Soldaten.
Das ganze Heer klagte laut, und der Klang erschütterte das Meer.
Die Soldaten Joseons und die Soldaten der Ming weinten gemeinsam.
Die Trommel verstummte, und auf dem Meer blieb nur das Weinen.
Yi Sun-sins Totenbahre zog über Gogeumdo in seine Heimat Asan.
Wo immer die Bahre vorbeikam, versperrten Gelehrte und einfache Leute den Weg, weinten und brachten Opfer dar.
Der Krieg, der sieben Jahre gedauert hatte, war vorbei.
In seinen letzten Worten
sorgte er sich nicht um sein Leben,
sondern um die, die noch kämpften.
Fünfundvierzig Jahre später verlieh ihm das Königreich den Namen „Chungmu“.
Ein Sijo, das er hinterließ.
Mondhelle Nacht auf Hansan, allein sitze ich im Wachturm,
das große Schwert an der Seite, in tiefem Kummer –
da zerreißt von irgendwo ein Flötenton mir das Herz.
– Auf der mondhellen Insel Hansan sitze ich allein im Wachturm, das große Schwert neben mir, und sorge mich tief, da zerreißt mir ein Flötenklang von irgendwoher das Herz.
