Das Lied von Seodong
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
In der letzten Folge lernten wir König Seong von Baekje kennen. 538 verlegte er die Hauptstadt nach Sabi und nannte das Reich „Nambuyeo“; 551 gewann er das alte Land am Han-Fluss zurück, doch 553 nahm Silla, sein Waffengefährte, ihm dieses Land. Im Jahr darauf, in der Schlacht um die Festung Gwansan, kam der König auf einem nächtlichen Weg bei Gucheon in einem Hinterhalt Sillas ums Leben, und sein ältester Sohn Chang folgte ihm auf den Thron.
Figuren
aus dem Samguk Yusa
(600–641) · Sohn von König Beop
im Samguk Yusa
Langjähriger Gegner von König Mu
im Samguk Yusa
Goldtafel überliefert als
„Tochter des Sataek Jeokdeok“
Chang (König Wideok) regierte Baekje über vierzig Jahre. Seine Nachfolger, König Hye und König Beop, starben kurz nacheinander; keiner von beiden regierte auch nur zwei Jahre.
600 bestieg der Sohn von König Beop den Thron.
Es war der 30. König von Baekje: König Mu.
Doch das Samguk Yusa erzählt die Kindheit dieses Königs ganz anders.
Der Yams-Junge
Die Geschichte von Seodong aus dem Eintrag „König Mu“ im Abschnitt „Wunder“ des Samguk Yusa
Vor langer Zeit lebte an einem Teich südlich der Hauptstadt von Baekje eine Frau allein.
Es heißt, sie habe sich mit dem Drachen dieses Teichs verbunden und einen Sohn geboren.
Der Junge lebte davon, in den Bergen Yams auszugraben und zu verkaufen. Die Leute nannten ihn „Seodong“, das heißt „Yams-Junge“.
von König Jinpyeong in Silla?
Seodong schor sich den Kopf und ging nach Seorabeol, in die Hauptstadt von Silla. Dort verteilte er Yams an die Kinder der Nachbarschaft.
ein Lied lernen?
Die Kinder liefen durch alle Gassen und sangen das Lied, das Seodong ihnen beigebracht hatte.
Prinzessin Seonhwa
hat sich heimlich vermählt
und schleicht in der Nacht
in Seodongs Arme
善化公主主隱 他密只嫁良置古 薯童房乙 夜矣卯乙抱遣去如 — „Seodongyo“, Samguk Yusa
hat sich heimlich vermählt
und schleicht in der Nacht
in Seodongs Arme~
Das Lied verbreitete sich in der ganzen Hauptstadt und drang schließlich bis in den Palast.
singt die ganze Hauptstadt!
Die Höflinge drängten heftig darauf, die Prinzessin weit fortzuschicken. So sollte sie in ein fernes Exil gehen.
Am Tag des Abschieds gab die Königin ihrer Tochter einen Scheffel reines Gold mit.
Als sie den Ort ihrer Verbannung fast erreicht hatte, trat ein junger Mann auf den Weg und verneigte sich vor ihr.
Die Prinzessin wusste nicht, woher er kam, doch irgendwie vertraute sie ihm und freute sich. Gemeinsam zogen die beiden weiter.
Unterwegs kamen sich die beiden näher. Erst als sie seinen Namen hörte, erkannte die Prinzessin, dass das Lied wahr geworden war.
Zusammen kamen die beiden nach Baekje. Als die Prinzessin das Gold hervorholte, das ihr die Mutter gegeben hatte, um zu besprechen, wovon sie leben sollten, lachte Seodong laut auf.
Was soll das alles?
Davon leben wir gut hundert Jahre.
herum wie Erde.
das Gold in den Palast meiner Eltern?
Die beiden häuften das Gold zu einem Hügel auf und suchten Meister Jimyeong im Sajasa-Tempel am Berg Yonghwa auf.
Bringt das Gold her.
Als die Prinzessin ihren Eltern einen Brief schrieb und ihn mit dem Gold vor den Sajasa-Tempel legte,
brachte der Meister das Gold mit seinen Wunderkräften in einer einzigen Nacht in den Palast von Silla.
all dieses Gold?
König Jinpyeong staunte über dieses Wunder, schätzte Seodong fortan umso höher und soll ihm oft Briefe geschickt haben, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen.
Dadurch gewann Seodong die Herzen der Menschen und bestieg schließlich den Thron.
Eines Tages kamen der König und die Königin auf dem Weg zum Sajasa-Tempel an einen großen Teich am Fuß des Bergs Yonghwa.
einen großen Tempel.
Da stieg aus der Mitte des Teichs eine Maitreya-Triade empor.
Mit seinen Wunderkräften ließ Meister Jimyeong in einer einzigen Nacht einen Berg einstürzen und füllte den Teich auf.
Dort errichtete man nach dem Vorbild der drei Predigten Maitreyas an drei Stellen Hallen, Pagoden und Wandelgänge und nannte die Anlage „Mireuksa“. Auch König Jinpyeong soll Handwerker aller Art zur Hilfe geschickt haben.
Ans Ende dieser Geschichte setzte das Samguk Yusa in kleiner Schrift diese Anmerkung:
Das Samguk Sagi nennt ihn den Sohn König Beops,
diese Geschichte aber den Sohn einer Witwe.
Wir wissen es nicht.
三國史云 是法王之子 而此傳之獨女之子 未詳 — Samguk Yusa
Das Samguk Sagi verzeichnete König Mu als Sohn von König Beop. Sein Name war Jang (璋). Er soll eine stattliche Erscheinung gewesen sein, von heldenhaftem Geist und Ehrgeiz.
wieder zu Ruhm führen.
Im achten Monat 602 ließ König Mu Truppen ausrücken und die Silla-Festung Amaksan belagern. Doch einige Tausend schnelle Reiter, die König Jinpyeong schickte, drängten ihn zurück.
Silla wich nicht zurück, sondern baute nahe der Grenze vier neue Festungen – Sota, Oeseok, Cheonsan und Ongjam – und bedrohte damit Baekjes Land.
Der König geriet in Zorn.
gegen diese vier Festungen!
Als der Kampf ungünstig verlief, zog sich Hae Su zu einem großen Teich westlich des Bergs Cheonsan zurück, versteckte seine Truppen und wartete.
Mueun, der Silla-General, der ihnen nachgesetzt hatte, stürzte vom Pferd. Doch als Mueuns Sohn Gwisan und dessen Freund Chuhang nicht wichen und weiterkämpften, fasste das Silla-Heer neuen Mut.
Das Heer von Baekje erlitt eine schwere Niederlage.
Hae Su kam knapp mit dem Leben davon und ritt allein zurück.
Auch danach hörten die Kämpfe zwischen den beiden Reichen nicht auf.
611 belagerte König Mu die Silla-Festung Gajam hundert Tage lang und nahm sie ein, 616 griff er erneut die Festung Amak an. 624 eroberte er sechs Festungen Sillas.
Im Herbst 627 bot König Mu ein großes Heer auf, um das an Silla verlorene Land zurückzugewinnen, und schlug bei Ungjin sein Lager auf.
das verlorene Land zurück!
Als König Jinpyeong davon hörte und Gesandte nach Tang schickte, um die Notlage zu melden, hielt König Mu sein Heer an.
Im achten Monat jenes Jahres reiste Boksin, der Neffe des Königs, als Gesandter nach Tang. Kaiser Taizong von Tang trug Boksin auf, Frieden mit Silla zu schließen, und schickte auch dem König einen Brief.
und Euer Nachbar.“
gute Nachbarschaft und beendet sofort den Kampf.“
König Mu schickte Gesandte, um zu danken. Doch das Samguk Sagi hielt fest: „Nach außen erklärte er, dem Befehl zu folgen, doch im Innern sahen sich beide weiterhin als Feinde.“
In der Erzählung waren König Jinpyeong von Silla und König Mu von Baekje Schwiegervater und Schwiegersohn.
In den Aufzeichnungen standen sich die beiden Könige
fast dreißig Jahre lang feindlich gegenüber.
Im ersten Monat 632 setzte König Mu seinen ältesten Sohn Uija als Kronprinzen ein. Im selben Monat starb König Jinpyeong von Silla.
Im zweiten Monat 634 wurde am Flussufer bei Sabi der Wangheungsa-Tempel vollendet. Sein bemalter Schmuck war prächtig und farbenfroh.
Oft fuhr der König mit dem Boot zum Tempel, um Weihrauch zu verbrennen.
Im dritten Monat ließ der König südlich des Palasts einen Teich ausheben. Das Wasser leitete man aus mehr als zwanzig Li Entfernung heran, und an den vier Ufern pflanzte man Weiden.
wohl so aussieht?
In der Mitte des Wassers schüttete man eine Insel auf, nach dem Vorbild des Bergs Fangzhang, auf dem Unsterbliche wohnen sollten.
Im dritten Monat 636 gab der König mit seinen Höflingen ein Fest an der nördlichen Bucht des Sabi-Flusses. Die seltsam geformten Felsen und die Blumen an beiden Ufern waren wie gemalt.
Der König trank, war in bester Stimmung, spielte die Geomungo und sang selbst dazu, und sein Gefolge tanzte immer wieder. Die Leute nannten den Ort „Daewangpo“, die „Bucht des Großkönigs“.
Welches Lied der König an jenem Tag sang, ist nirgends überliefert.
Am 29. Tag des ersten Monats 639 im Mireuksa-Tempel von Iksan: In den Steinpfeiler in der Mitte der westlichen Steinpagode, die gerade errichtet wurde, wurden Reliquien eingeschreint.
fest wie die Berge stehen…
Neben das goldene Reliquiengefäß legte man eine Goldtafel mit eingravierter Inschrift.
Im dritten Monat 641 starb König Mu.
Kaiser Taizong von Tang trauerte am Xuanwu-Tor um ihn und verlieh ihm posthum den Titel Guanglu Daifu. Sein ältester Sohn Uija folgte ihm auf den Thron.
Der Tempel bestand noch lange nach dem Untergang Baekjes, doch irgendwann verfiel er. Die westliche Steinpagode blieb halb eingestürzt stehen.
2001 begann man, die einsturzgefährdete Pagode zu zerlegen, um sie zu restaurieren, und nahm ihre Steine einen nach dem anderen herunter.
Und dann kam der 14. Januar 2009.
Als man den Stein auf dem Pfeiler in der Mitte des ersten Stockwerks (dem Mittelpfeilerstein) anhob, kam in der Oberseite des Pfeilers ein viereckiges Loch zum Vorschein.
in dem Loch!
Auf Vorder- und Rückseite einer handtellergroßen Goldtafel waren rund 190 Schriftzeichen eingraviert.
Tochter des Jwapyeong Sataek Jeokdeok…“
um den Tempel zu errichten…“
im Jahr Gihae ehrfürchtig die Reliquien.“
Laut der Goldtafel war die Königin, die ihr Vermögen gab, um den Tempel zu errichten, und in dieser Pagode die Reliquien einschreinen ließ, die Tochter des Baekje-Jwapyeong Sataek Jeokdeok.
Die Prinzessin im Lied kam aus Seorabeol in Silla. Die Königin auf der Goldtafel war die Tochter eines Jwapyeong von Baekje.
War die Prinzessin im Lied nur eine erfundene Geschichte,
oder war sie eine weitere Königin,
die vor der auf der Goldtafel lebte?
Das Lied, das vierzehnhundert Jahre überdauert hat, und die Goldtafel, die 1.370 Jahre in der Pagode wartete, geben uns die Antwort bis heute nicht preis.

