‹ Übersicht
Folge 15Im Frühling verleihen, im Herbst einsammeln
DE
Folge 15

Im Frühling verleihen, im Herbst einsammeln

König Gogukcheon von Goguryeo · 194
Nach unten scrollen ↓
🎧 Mit Ton wird es noch lebendiger.
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Was bisher geschah

Auf die Bitte von Prinz Hodong zerschnitt die Prinzessin von Nangnang die Trommel, die von selbst ertönen sollte, wenn Feinde kamen, und zerbrach das Horn. Nangnang ergab sich Goguryeo, doch die Prinzessin starb durch die Hand ihres Vaters, und auch Hodong nahm sich das Leben, als man ihn verleumdete. In den fast 150 Jahren danach dehnte sich Goguryeo nach allen Seiten aus, und 179 bestieg der neunte König, König Gogukcheon, den Thron.

Figuren

DochiEin junger Tagelöhner, der seine Mutter
versorgt. Der Held dieser Geschichte
MutterDochis alte Mutter
König GogukcheonNeunter König von Goguryeo.
Soll neun Fuß groß gewesen sein
Eul Pa-soEin Mann, der im Amnok-Tal
eigenhändig sein Feld pflügte
AllyuEin Mann aus dem Ostbezirk,
der Eul Pa-so empfahl
Jwa Ga-ryeoEin Verwandter der Königin.
Missbraucht seine Macht

Goguryeo war ein Land großer Berge und tiefer Täler. Gute Felder waren selten, und selbst wer hart arbeitete, wurde kaum satt.

Jeder Haushalt hatte einen kleinen Speicher namens „Bugyeong“, und man ging sparsam mit dem Essen um.

Die Angehörigen der großen Häuser (Daega, 大家) bestellten keine Felder. Ihre Untergebenen trugen ihnen von weit her Getreide, Fisch und Salz zu.

DochiJunger Tagelöhner
AufseherNicht trödeln!
Bis Sonnenuntergang muss alles oben sein!
Jawohl—!

Dochi arbeitete für andere gegen Getreide als Lohn und versorgte so seine alte Mutter.

MutterDochis Mutter
DochiMutter, heute hab ich ein Maß Hirse bekommen!
MutterDu hast heute wieder schwer gearbeitet, Dochi.

Um jene Zeit hielten Eo Bi-ryu und Jwa Ga-ryeo, Verwandte der Königin, die Macht im Reich in Händen.

Jwa Ga-ryeoVerwandter der Königin
Dieses Feld gehört jetzt
dem Haus Jwa Ga-ryeo!
GrundbesitzerMeine Familie bestellt dieses Feld
seit Generationen!

Im Vertrauen auf ihre Macht nahmen die Männer dieser Familie anderen Felder und Häuser weg.

König Gogukcheon soll neun Fuß groß und so stark gewesen sein, dass er einen großen Kessel heben konnte.

König Gogukcheon
HöflingDie Verwandten der Königin
quälen das Volk!
König GogukcheonUnerhört!
Sie werden streng bestraft!

Im vierten Monat, im Sommer 191, sammelte die Partei des Jwa Ga-ryeo, der die Bestrafung drohte, Anhänger und griff die Königsstadt an.

Der König rief Soldaten und Pferde aus der Umgebung der Hauptstadt zusammen und schlug den Aufstand nieder.

Nachdem der Aufstand niedergeschlagen war, sprach der König:

König GogukcheonZuletzt wurden Ämter nach Gunst vergeben,
und Rang wurde nicht durch Tugend erworben.
Der Schaden traf das Volk
und erschütterte sogar das Königshaus.

„All das liegt daran, dass ich nicht weise war.“ Der König gab sich selbst die Schuld.

Goguryeo bestand aus fünf Bezirken (Bu, 部). Der König befahl vier von ihnen:

Ihr vier Bezirke, jeder von euch soll
die weisen und fähigen Männer empfehlen,
die in niederen Stellungen verborgen sind!

Einstimmig empfahlen die vier Bezirke Allyu aus dem Ostbezirk. Der König ließ ihn rufen und wollte ihm die Staatsgeschäfte anvertrauen.

AllyuAus dem Ostbezirk
AllyuIch bin einfältig und nicht der Mann,
große Staatsgeschäfte zu führen.
Doch es gibt einen Mann,
den Ihr unbedingt holen solltet.
AllyuEr heißt Eul Pa-so und lebt im Dorf Jwamul
im West-Amnok-Tal.
Er ist standhaft und klug, doch die Welt hat ihn nicht gebraucht,
und so lebt er davon, sein Feld selbst zu pflügen.
Eul Pa-soNachfahre von Eul So, Minister unter König Yuri

Allyu sprach mit Nachdruck:

Wenn Eure Majestät das Reich gut regieren will,
muss es dieser Mann sein und kein anderer.

Der König schickte einen Abgesandten mit demütigen Worten und reichen Geschenken. Unter den Trägern, die die Geschenke schleppten, war auch Dochi.

AbgesandterSeine Majestät lässt Euch,
Meister, an den Hof bitten.
Eul Pa-soIhr habt das so weit geschleppt.
Habt Dank.
DochiGeschenkträger

Der König ernannte Eul Pa-so zum Jungoe Daebu, verlieh ihm zusätzlich den Rang „Utae“ und sprach:

König GogukcheonMeine Tugend ist gering, meine Gaben sind dürftig;
ich habe das Reich nicht gut regiert.
Dass Ihr mich nicht verschmäht habt und gekommen seid,
ist ein Segen für Reich und Volk.

Eul Pa-so war bereit, dem Reich zu dienen, doch er meinte, in diesem Amt könne er nichts ausrichten.

Eul Pa-soIch bin wie ein lahmes Pferd,
einem so strengen Befehl nicht gewachsen.
Wählt einen Würdigen, gebt ihm ein hohes Amt,
und vollbringt Großes.
König Gogukcheon…Ich verstehe, was Ihr meint.
König GogukcheonIch ernenne Eul Pa-so zum Guksang
und vertraue ihm die Staatsgeschäfte an!

Der Guksang war das höchste Amt; er hatte die Aufsicht über alle Staatsgeschäfte.

AdligerEiner, der Felder pflügte,
über Nacht Guksang!
Da drängt ein Neuling die alten Minister
vom König weg.

Die Beamten am Hof und die Verwandten des Königshauses beneideten Eul Pa-so.

Da erließ der König einen Befehl:

Ob vornehm oder niedrig –
wer dem Guksang nicht gehorcht,
wird samt seiner Sippe bestraft!

Eul Pa-soEin Gelehrter zieht sich zurück, wenn seine Zeit nicht gekommen ist,
und tritt hervor, wenn sie gekommen ist.
Da mich der König so großzügig behandelt,
wie könnte ich daran denken, mich wieder zu verbergen?
DochiWenn seine Zeit gekommen ist…

Eul Pa-so diente dem Reich mit ganzer Hingabe.

Er machte die Regierung klar und war besonnen mit Lohn und Strafe; so lebte das Volk in Frieden, und im Reich und an seinen Grenzen herrschte Ruhe.

Im zehnten Monat, im Winter jenes Jahres, ernannte der König Allyu zum Daesaja und sprach:

Ohne Euer Wort
hätte ich Eul Pa-so nie gefunden.

Drei Jahre vergingen.

Im siebten Monat, im Herbst 194,
fiel ein früher Frost.

DochiDie Ähren sind alle erfroren…
ArbeiterDiesen Herbst gibt’s wohl
nichts zu ernten.

Das Getreide erfror, und das Volk hungerte. Der König öffnete die Speicher und ließ Getreide verteilen.

In jenem Herbst gab es kein Getreide zu ernten, und so stellte auch niemand Tagelöhner ein.

DochiIch hacke auch Brennholz!
Gebt mir nur irgendeine Arbeit!
TorwächterEs gibt nichts zu ernten –
wozu Tagelöhner?!

Der Bugyeong stand leer, und es gab keine Möglichkeit, auch nur ein Maß Getreide aufzutreiben.

DochiMutter…
MutterMir geht’s gut…
iss du nur.

Der zehnte Monat, Winter 194. Dochi war auf der Suche nach Arbeit weit umhergeirrt und sank schließlich am Weg nach Jiryang zu Boden.

An jenem Tag zog König Gogukcheon zur Jagd nach Jiryang.

König GogukcheonHalt.
…Junger Mann,
warum weinst du?
DochiIch bin arm, Herr,
und habe immer als Tagelöhner meine Mutter ernährt.
Dieses Jahr ist Missernte, es gibt keine Arbeit,
nicht einmal ein Maß oder einen Scheffel Getreide…
Darum weine ich.
König GogukcheonAch…
Ich, der Vater meines Volkes,
habe es so weit kommen lassen.
Das… ist meine Schuld.

Der König gab ihm Kleidung und Essen, um ihn zu trösten.

Der König befahl den Beamten in der Hauptstadt und in den Provinzen:

Sucht überall Witwer und Witwen, Waisen und kinderlose Alte
und alle, die zu alt, zu krank oder zu arm sind, um für sich zu sorgen,
und kümmert euch um sie!

König GogukcheonGebt jedes Jahr vom 3. Monat im Frühling
bis zum 7. im Herbst Staatsgetreide aus,
verleiht es nach der Zahl der Hausgenossen
und lasst es im 10. Monat, im Winter, zurückzahlen.
Das soll ein
beständiges Gesetz sein!

Überall, in der Hauptstadt und in den Provinzen, freuten sich die Menschen sehr.

Beamte zogen von Dorf zu Dorf, suchten Menschen, die nicht für sich selbst sorgen konnten, und kümmerten sich um sie.

BeamterGetreide vom Staat.
Damit kommt Ihr über den Winter.
Ach,
danke schön!

Der lange Winter verging,

und im dritten Monat des nächsten Frühlings
öffneten sich die Tore des staatlichen Speichers.

Die Beamten zählten in jedem Haushalt die Köpfe und verliehen danach Getreide.

BeamterDochis Haushalt:
Anteil für zwei!
NachbarinWir sind zu fünft,
wir kriegen mehr!
MutterDochi! Ist das alles
Getreide vom Staat?
DochiNach der Ernte zahlen wir’s
im 10. Monat zurück, heißt es!

In jenem Sommer verdingte sich Dochi wieder auf fremden Feldern. Und dann, im Herbst—

DochiDieses Jahr sind
die Ähren schwer!
MutterIss erst was, dann mach weiter!

Der zehnte Monat, Winter: der Tag, an dem das geliehene Getreide zurückgezahlt wurde.

DochiDas geliehene Getreide –
ich bringe alles zurück!
BeamterDochis Haushalt:
alles zurückgezahlt!

Im Frühling leihen, im Herbst ernten, im zehnten Monat, im Winter, zurückzahlen.

Das Getreide, das er im Herbst als Lohn bekommen hatte, füllte den Bugyeong bis zum Rand.

MutterDiesen Winter
müssen wir nicht hungern.
DochiUnd im Frühling öffnet sich
der Speicher wieder, heißt es.

Im nächsten Frühling machte sich Dochi wieder mit einem leeren Sack auf dem Rücken auf den Weg zum Speicher.

König GogukcheonDas soll ein beständiges Gesetz sein!

197 herrschte in China großes Chaos, und sehr viele Menschen aus Han flohen vor den Wirren nach Goguryeo.

Im fünften Monat, im Sommer jenes Jahres,
starb König Gogukcheon.

Der König wurde in Gogukcheon-won begraben. Darum nennt man ihn „König Gogukcheon“.

König GogukcheonIch, der Vater meines Volkes…

Eul Pa-so blieb bis in die Zeit des nächsten Königs, König Sansang, Guksang und starb im Herbst 203. Die Menschen im Reich weinten laut um ihn.

Dieses Gesetz, nach dem man im Frühling verlieh und nach der Herbsternte wieder einzog, nannten spätere Generationen „Jindaebeop“ – das Jindae-Darlehenssystem.

Der Gedanke, dass der Staat für sein hungerndes Volk sorgt,
lebte im Uichang von Goryeo und im Hwangok von Joseon fort.

Ende von Folge 15

Geschichtsnotizen

Die Szenen dieser Geschichte wurden auf Grundlage der folgenden Quellen und Fundstätten gezeichnet.

  1. Wandgemälde „Jagdszene“, Muyongchong-GrabWandgemälde „Jagdszene“, Muyongchong-Grab · Menschen aus Goguryeo bei der Jagd

    194: Der Bericht im Samguk Sagi

    Laut dem Samguk Sagi fiel im siebten Monat, im Herbst 194 (dem 16. Regierungsjahr von König Gogukcheon), Frost und vernichtete das Getreide; das Volk hungerte, und der König öffnete die Speicher und ließ Getreide verteilen. Im zehnten Monat, im Winter, begegnete der König auf dem Weg zur Jagd nach Jiryang einem Mann, der am Wegrand saß und weinte. Der Mann sagte: „Ich habe immer als Tagelöhner meine Mutter versorgt, doch dieses Jahr ist Missernte, es gibt keine Arbeit, und ich bekomme nicht einmal ein Maß oder einen Scheffel Getreide.“ Der König sprach: „Ich bin dem Volk Vater und Mutter und habe es so weit kommen lassen – das ist meine Schuld“, gab ihm Kleidung und Essen und ließ überall Witwer, Witwen, Waisen und kinderlose Alte sowie alle, die zu alt, zu krank oder zu arm waren, um für sich zu sorgen, aufsuchen und versorgen. Dann machte er es zum beständigen Gesetz, dass jedes Jahr vom dritten Monat im Frühling bis zum siebten Monat im Herbst Staatsgetreide nach der Zahl der Hausgenossen verliehen und im zehnten Monat, im Winter, zurückgezahlt werden sollte. Wo Jiryang lag, ist heute unbekannt. Das Foto zeigt eine Wandmalerei aus dem Muyongchong-Grab mit Menschen aus Goguryeo bei der Jagd; sie stammt aus der Zeit um das 5. Jahrhundert, also aus viel späterer Zeit.

    Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo, König Gogukcheon, 16. Jahr
  2. Der Name „Jindaebeop“

    Die Quelle gibt dem Gesetz keinen Namen, berichtet aber, das Getreide sei nach der Zahl der Hausgenossen als „Jindae“ (賑貸) ausgegeben worden. Aus diesem Wort, das „Jin“ (賑, Not lindern, verteilen) und „Dae“ (貸, verleihen) verbindet, entstand später der Name „Jindaebeop“, das Jindae-Darlehenssystem. Oft heißt es, es sei „ein Gesetz gewesen, nach dem man im Frühling verlieh und im Herbst zurückzahlen ließ“, doch das Samguk Sagi nennt als Rückzahlungszeit „den zehnten Monat, im Winter“: Eingezogen wurde erst nach dem Ende der Herbsternte. In Goryeo gab es den Heukchang, einen Speicher, der Staatsgetreide verlieh; er wurde 986 erweitert und in Uichang umbenannt und lebte in Joseons Uichang und im Hwangok fort. Im späten Joseon allerdings wurden beim Hwangok oft Darlehen erzwungen und Zuschläge erhoben, sodass er für das Volk manchmal eher zu einer schweren Last wurde.

    Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo, König Gogukcheon, 16. Jahr · Enzyklopädie der koreanischen Kultur, „Jindaebeop“, „Uichang“
  3. Eiserne Pflugschar aus GoguryeoEiserne Pflugschar aus Goguryeo · Hanseong-Baekje-Museum

    Eul Pa-so, der Mann, der sein Feld selbst pflügte

    Als der König 191 die vier Bezirke würdige Männer empfehlen ließ, empfahlen sie Allyu aus dem Ostbezirk. Allyu erklärte, er selbst genüge nicht, und schlug an seiner Stelle Eul Pa-so vor, der im Dorf Jwamul im West-Amnok-Tal eigenhändig sein Land bestellte. Der König ernannte Eul Pa-so zum Jungoe Daebu und verlieh ihm zusätzlich den Rang Utae; doch als Eul Pa-so ablehnte, verstand der König, was er meinte, und machte ihn zum Guksang. Der Guksang war das höchste Amt mit der Aufsicht über alle Staatsgeschäfte; König Sindae hatte es 166 erstmals Myeongnim Dap-bu übertragen. Die Quelle nennt Eul Pa-so „den Enkel von Eul So, einem Minister unter König Yuri“; da König Yuris Zeit aber mehr als 170 Jahre zurücklag, halten manche ihn eher für einen fernen Nachfahren. Eul Pa-so blieb bis in die Zeit von König Sansang Guksang und starb im Herbst 203; die Menschen im Reich sollen bitterlich um ihn geweint haben. Dass das Gesetz von 194 auf Eul Pa-so zurückging, sagt die Quelle allerdings nicht. Das Foto zeigt eine eiserne Pflugschar aus Goguryeo (5.–6. Jahrhundert), mit der man Felder pflügte.

    Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo, König Gogukcheon, 13. Jahr · Biographien, Eul Pa-so
  4. Die Verwandten der Königin

    Laut dem Samguk Sagi hielten der Paeja Eo Bi-ryu, Jungoe Daebu, und der Pyeongja Jwa Ga-ryeo die Macht im Reich in Händen, weil sie Verwandte der Königin waren, und die jungen Männer ihrer Familien zogen sich den Groll des Volkes zu, indem sie anderen die Kinder, die Felder und die Häuser wegnahmen. Als der König sie bestrafen wollte, plante die Partei des Jwa Ga-ryeo einen Aufstand; im vierten Monat, im Sommer 191, sammelte sie Anhänger und griff die Königsstadt an, wurde aber niedergeschlagen. Auch Königin U war die Tochter von U So aus dem Yeonna-bu. Das chinesische Geschichtswerk Chroniken der Drei Reiche berichtet ebenfalls, dass von den fünf Stämmen Goguryeos der Jeolno-bu Generation um Generation in das Königshaus einheiratete, und viele Forscher setzen den Yeonna-bu des Samguk Sagi mit eben diesem Jeolno-bu gleich. Dass der König nach dem Aufstand fähige Männer nach ihrem Charakter statt nach ihrer Herkunft auswählte, wird auch als Zeichen dafür gedeutet, dass er den Adel zurückdrängte und die Königsmacht festigte.

    Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo, König Gogukcheon, 2., 12. und 13. Jahr · Chroniken der Drei Reiche, Buch der Wei, „Bericht über die östlichen Völker“, Abschnitt Goguryeo
  5. In jedem Haus ein kleiner Speicher: der Bugyeong

    Das chinesische Geschichtswerk Chroniken der Drei Reiche aus dem 3. Jahrhundert beschreibt Goguryeo so: Es gab viele große Berge und tiefe Täler und keine guten Felder; selbst wer hart arbeitete, wurde kaum satt, und so ging man sparsam mit dem Essen um. Große Speicher gab es nicht, dafür hatte jedes Haus einen kleinen Speicher, den man „Bugyeong“ (桴京) nannte. Die über 10.000 Angehörigen der großen Häuser (Daega, 大家) dagegen bestellten keine Felder, und ihre Untergebenen trugen ihnen von weit her Reis, Getreide, Fisch und Salz zu. Wie ein Bugyeong aussah, ist nicht überliefert. In dieser Folge ist er als kleiner Speicher auf Stelzen gezeichnet; manche bringen den Bugyeong mit solchen Speichern in Verbindung, die an Bauernhäusern im alten Gebiet von Goguryeo erhalten sind.

    Chroniken der Drei Reiche, Buch der Wei, „Bericht über die östlichen Völker“, Abschnitt Goguryeo
  6. Mauerecke der Festung GungnaeMauerecke der Festung Gungnae · Ji’an, Provinz Jilin, China

    König Gogukcheon und die Festung Gungnae

    König Gogukcheon, der zweite Sohn von König Sindae, wurde 179 König. Das Samguk Sagi berichtet, er sei neun Fuß groß und so stark gewesen, dass er einen großen Kessel heben konnte, und habe bei der Erledigung der Geschäfte das rechte Maß zwischen Milde und Strenge gefunden. 184 schlug er bei Jwawon das Heer des Statthalters von Liaodong der Han vernichtend, und im fünften Monat, im Sommer 197, starb er und wurde in Gogukcheon-won begraben. Laut dem Samguk Sagi war die Hauptstadt damals die Festung Gungnae im heutigen Ji’an in der chinesischen Provinz Jilin. Weil die Chroniken der Drei Reiche nur sagen, auf König Sindae (Baekgo) sei „Iimo“ gefolgt, bezweifeln manche Forscher, dass König Gogukcheon wirklich gelebt hat; viele wenden jedoch ein, dass auch die Angaben der Chroniken der Drei Reiche zum Königshaus von Goguryeo viele Lücken haben und sich das allein daraus nicht entscheiden lässt. Die Steinmauer auf dem Foto gilt als spätere Wiederaufmauerung.

    Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo, König Gogukcheon · Chroniken der Drei Reiche, Buch der Wei, „Bericht über die östlichen Völker“, Abschnitt Goguryeo
  7. Der Mann ohne Namen

    Das Samguk Sagi nennt weder den Namen noch das Alter des Mannes, der 194 am Wegrand weinte; überliefert ist nur, dass er als Tagelöhner seine Mutter versorgte. Dochi und seine Mutter in dieser Folge sind Figuren, die nach dem Vorbild dieses Mannes erfunden wurden. Dass Dochi die Geschenke zu Eul Pa-so trägt und dessen Worte hört, und die Szenen, in denen er im nächsten Jahr Getreide leiht und zurückzahlt, sind ebenfalls erfunden. Auch dass der König vom Pferd steigt und Dochi seinen Pelzmantel umlegt, ist Fantasie; die Quelle sagt nur, er habe ihm „Kleidung und Essen gegeben“.

    Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo, König Gogukcheon, 16. Jahr

Schlüsselbegriffe dieser Folge

Nächste Folge

Folge 16 · Eulbul, der Salzhändler

Als sein Vater beim König in Verdacht geriet und getötet wurde, tauchte Eulbul, ein Enkel aus dem Königshaus, unter und verdingte sich als Knecht in fremden Häusern. Niemand erkannte in dem zerlumpten jungen Mann, der mit Salzsäcken auf dem Rücken an den Flussufern bei Amnok umherzog, einen Spross des Königshauses.

Bildnachweis

Alle Illustrationen dieses Webtoons sind neu gezeichnet; Namen und Dialoge der Figuren sind auf Grundlage historischer Fakten und Forschungsergebnisse frei nachgestaltet. Datierungen und Deutungen folgen der in der Forschung üblichen Darstellung; wo die Meinungen auseinandergehen, sagen es die Geschichtsnotizen.