Wurzeln schlagen am Fluss
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Vor sehr, sehr langer Zeit zogen die Menschen der Altsteinzeit den Tieren nach, sammelten Früchte und wanderten mit den Jahreszeiten umher. In Kälte und Dunkelheit schützte sie das Feuer. Dann ging die lange, lange Eiszeit zu Ende: Das Eis schmolz, das Meer stieg, und das Land wurde warm.
Figuren
Sie träumt vom Meer
die Gruppe an
Töpferin
dem Einbaum
unzertrennlich
Als die Eiszeit endete, wuchsen auf der Koreanischen Halbinsel dichte Wälder.
An den Eichen reiften Eicheln, und in Flüssen und Meeren wimmelte es von Fischen und Muscheln.
Und die Menschen begannen,
Ton im Feuer zu brennen.
Die Westküste von Jeju. Noch zogen die Menschen mit den Jahreszeiten umher, doch sie verstanden es schon, Gefäße aus dem Feuer zu holen.
Nun konnten sie ihr Essen kochen. Aus zähen Wurzeln und Muscheln wurde eine Schüssel Suppe.
Tausende von Jahren später.
Am Han-Fluss machte
eine Gruppe Halt.
Eine Gruppe, die lange mit den Jahreszeiten umhergezogen war, erreichte ein Flussufer, wo das Wasser nah war und es viele Fische gab.
Die Menschen gruben Mulden in den Boden, stellten Pfosten auf und deckten die Dächer mit Schilf und Gras.
im Sommer?
Weil das Grubenhaus halb in der Erde steckte, war es im Winter weniger kalt und im Sommer weniger heiß.
In der Feuerstelle mitten im Haus brannte stets ein Feuer.
Rollte man Ton zu langen, dünnen Wülsten und schichtete sie Lage um Lage auf, entstand ein Gefäß.
Die in der Sonne gut getrockneten Gefäße wurden in ein Holzfeuer gelegt und gebrannt.
Im Herbst ging das ganze Dorf in den Eichenwald. Eicheln waren die Nahrung, mit der man über den langen Winter kam.
Die reichlich gesammelten Eicheln bewahrte man in Gefäßen und in Erdgruben auf und holte sie den ganzen Winter über zum Essen hervor.
In Winternächten spann Mama mit dem Spinnwirtel Garn, und Oma flickte mit einer Knochennadel Netze.
In jener Nacht träumte Darae vom Meer.
Das Meer, von dem Darae träumte.
Auch an jener Küste
lebten Menschen in Dörfern.
Die Menschen an der Küste aßen Muscheln und warfen die übrigen Schalen an eine Stelle.
Die Schalen türmten sich immer höher, bis daraus ein Muschelhaufen wurde.
Manchmal kamen sogar Gäste von einer großen Insel jenseits des Meeres.
Die Menschen an der Ostküste jagten noch Größeres. Sie fuhren in Einbäumen hinaus und fingen Wale.
Die Menschen ritzten diese Geschichten in den Fels, damit sie für immer erhalten blieben.
Zurück in Daraes Dorf am Han-Fluss.
Jener Winter war ungewöhnlich lang.
Oma erlebte den Frühling nicht mehr.
Neben ihr begrub man den Muschelarmreif, an dem Oma so gehangen hatte, und ein Gefäß voller Eicheln.
Damit sie auch im Jenseits nicht hungern musste.
Die Menschen glaubten, dass in Sonne und Mond, in Flüssen und großen Felsen Geister wohnten.
Eine Schamanin, die – so hieß es – Himmel und Menschen verband, betete, dass das Getreide auch in diesem Jahr gut reifen möge.
Im Frühling lockerten sie den Boden mit Steinhacken und säten Getreide wie Kolbenhirse und Hühnerhirse.
wird wirklich Getreide?
Papa kohlte das Innere eines großen Kiefernstamms mit Feuer aus und schabte es mit einer scharf geschliffenen Steindechsel heraus.
Als das neue Boot fertig war, warfen Papa und der Onkel jeden Morgen in der Frühe ihre Netze in den Fluss.
Als der Sommer verging, färbten sich die Hirseähren golden und neigten sich.
Das geerntete Getreide legte man auf eine Reibplatte und mahlte es mit einem Reibstein fein.
Die Dorfbewohner waren eine durch Blut verbundene Familie. Alles, was sie ernteten, teilten sie miteinander.
Der Dorfälteste leitete die Arbeit, doch er kommandierte niemanden herum.
Noch herrschte niemand
über einen anderen.
Als die Herbsternte vorbei war, nahm Papa Darae in dem neuen Boot mit und fuhr den Fluss hinunter.
Es war das Meer, das Oma so sehr hatte sehen wollen.
Auch Darae wuchs heran, wurde Mutter und schließlich Großmutter.
Daraes Enkelin, deren Enkelin, deren Enkelin…
So floss der Fluss
Tausende von Jahren dahin.
Dann, eines Herbstes, kamen Fremde aus dem Norden.
Etwas, das der Mann an der Spitze hochhielt, blitzte im Sonnenlicht auf.
Nicht Stein, nicht Holz, sondern etwas, das leuchtete wie die Sonne.
Das Zeitalter der Bronze zog herauf.
Die Menschen am Fluss, die Ton brannten, Samen säten und vom Meer träumten.
Von dem Tag an, als die leuchtende Klinge erschien,
begann sich die Welt zu verändern.