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Folge 1Die Hüter des Feuers
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Folge 1

Die Hüter des Feuers

Altsteinzeit · Vor etwa 700.000 bis 10.000 Jahren
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🎧 Mit Ton wird es noch lebendiger.
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Wo die Geschichte beginnt

Vor sehr, sehr langer Zeit lebten zum ersten Mal Menschen auf der Koreanischen Halbinsel. In jenen langen Zeitaltern ohne Schrift, ohne Reiche und ohne Ackerbau überlebten sie, indem sie Steine zu Werkzeugen schlugen und ihr Feuer hüteten. Diese Geschichte beginnt mit einem einzigen Stein, den sie zurückließen.

Figuren

FalkenaugeDie Hauptfigur.
Ein scharfäugiges Kind
GroßhandEin steinkundiger
Jäger
GroßmutterDie Älteste der Gruppe,
Hüterin des Feuers
Greg BowenDer US-Soldat, der
1978 am Hantan
einen Faustkeil erkannte

1978, am Hantan-Fluss in Yeoncheon. Ein amerikanischer Soldat schlenderte an seinem freien Tag mit seiner Freundin am Ufer entlang.

Greg BowenEin US-Soldat mit Archäologiestudium
BowenMoment…
schau dir den Stein an.
FreundinIst das nicht
nur ein Stein?
BowenNein. Jemand hat diesen Stein
absichtlich behauen.

Ein Stein, dem man eine Schneide gab, indem man abwechselnd von beiden Seiten Splitter abschlug. Es war ein Faustkeil, von Menschen vor Hunderttausenden von Jahren gefertigt.

Bis dahin waren Forscher in aller Welt überzeugt:

In Ostasien gibt es
keine Faustkeile.

In den 1940er-Jahren zog der amerikanische Archäologe Movius diese Linie auf der Landkarte. Die Menschen östlich davon, so meinte er, hätten nur grobe Hackgeräte benutzt.

Movius-LinieFaustkeil-KulturenAfrika · Europa · Westasien · IndienHackgerät-KulturenOstasien · Südostasien1978 · Jeongok-ri, YeoncheonFaustkeil gefunden!

Doch 1978 brachte ein einziger Stein vom Hantan-Fluss diese Überzeugung ins Wanken.

Wer mag diesen Stein als Letzter in der Hand gehalten haben?

Wie sah dieser Mensch aus, was aß er, wie verbrachte er seine Nächte?

Reisen wir zurück in der Zeit
und begegnen wir diesem Menschen.

Das Land, auf dem du gerade stehst: die Koreanische Halbinsel.
Drehen wir die Zeit zurück.
Hier beginnt die Geschichte.
2026
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Vor etwa 700.000 Jahren begannen Menschen, auf der Koreanischen Halbinsel zu leben.

Die Menschen, denen wir begegnen werden, lebten sehr viel später: eine kleine Gruppe, die an den Ufern des Hantan-Flusses umherzog.

FalkenaugeIch bin Falkenauge. In unserer Gruppe sieht keiner so scharf wie ich.

Wir bleiben nie an einem Ort. Wir ziehen dorthin, wohin die Hirschherden ziehen und wo die Früchte reifen.

Wir ließen uns auf einem Hügel am Fluss nieder. Die Erwachsenen flochten Äste zusammen und deckten sie mit Fellen, und schon bald stand eine Hütte.

GroßhandEin steinkundiger JägerFalkenaugeIch
GroßmutterFalkenauge, hol Wasser.
Ich kümmere mich ums Feuer.
GroßhandAuch Stein hat eine Maserung.
Hör genau, wo er brechen will.

Als Onkel Großhand mit einem Stein auf den anderen schlug, sprang ein Splitter ab, und eine scharfe Kante entstand.

FalkenaugeAch…!
Schon wieder kaputt.
GroßhandSchlägst du irgendwohin,
zerbricht er. Noch mal!
FalkenaugeGeschafft…!
Selbst gemacht!
GroßhandJetzt hörst du auch,
was der Stein sagt.

Durch Schlagen und Absplittern geformte Steine: geschlagene Steinwerkzeuge. Die Menschen der Altsteinzeit hatten stets solche Steine zur Hand.

FalkenaugeFleisch schneiden,
Holz hacken,
Wurzeln graben,
Felle abziehen!

Die Jagd gelingt nicht immer. Öfter macht uns der Wald satt, den Großmutter so gut kennt.

FalkenaugeGroßmutter, darf ich
den auch essen?
GroßmutterNein! Davon dreht sich dir der Magen um.
Je schöner die Farbe, desto vorsichtiger musst du sein.

Morgendämmerung. Im Nebel hebt ein Hirsch den Kopf.

FalkenaugeDa drüben…
ein Hirsch.
GroßhandPst…
Gegen den Wind. Langsam.

Niemand jagt allein. Einer treibt das Wild, einer wartet, und alle werfen gemeinsam.

Da teilte sich das Schilf.

GroßhandRunter!!

Damals lebten auf der Koreanischen Halbinsel Tiere, die es heute nicht mehr gibt.

Zweihorn-NashornEin Nashorn mit zwei HörnernHöhlenhyäne
GroßhandDas ist der mit den zwei Hörnern.
Mit dem legst du dich nie an.

An jenem Abend lachte die ganze Gruppe.

FalkenaugeFleisch!
Heute gibt’s Fleisch!

Vom Fleisch bekommt jeder gleich viel: wer am meisten erlegt hat, Großmutter, die nicht mit auf die Jagd konnte, und auch die kleinen Geschwister.

GroßmutterHier, das ist deins.

In unserer Gruppe gibt niemand Befehle. Wir hören auf die erfahrenen Älteren, und alle packen gemeinsam an – das ist alles.

Vom Hirsch wird nichts verschwendet. Das Fleisch wird getrocknet, das Mark ausgesaugt, und aus Geweih und Knochen werden Werkzeuge.

GroßhandKratz das Fett innen ganz ab,
sonst verrottet das Fell.

Gut getrocknete Felle werden zu Kleidung, zu Schlaflagern und zu Dächern für unsere Hütten.

Wenn die Sonne untergeht, zeigt die Kälte ihre Zähne. Doch wir haben das Feuer.

GroßmutterDas Feuer darf nie ausgehen.
Feuer ist unser Leben.

Mitten in der Nacht fegte ein Schneesturm bis in die Höhle hinein.

FalkenaugeDas Feuer…
das Feuer geht aus!
GroßmutterTrockenes Moos…
schnell.

Da erschien am Höhleneingang ein riesiger Schatten.

FalkenaugeGr-Großmutter…!
GroßmutterHoch mit dem Feuer!

Vor dem Feuerschein wich der Bär zurück. An jenem Tag begriff ich: Das Feuer schenkte uns mehr als nur Wärme.

Die Jahre vergingen.

Ich wuchs heran und jagte nun selbst, und Großmutter wurde sehr alt.

Eines Winters konnte Großmutter nicht mehr aufstehen.

GroßmutterVon nun an…
hütest du das Feuer.
FalkenaugeGroßmutter…
GroßmutterFeuer ist unser Leben.

In jenem Winter trat Großmutter ihre lange Reise an. Nun hüte ich das Feuer.

Am Morgen unseres Aufbruchs in ein neues Land lege ich die in Moos gehüllte Glut in die Hände eines Kindes.

FalkenaugeDas Feuer darf nie ausgehen.
Feuer ist unser Leben.

Die Worte, die Großmutter einst zu mir sagte, gebe ich nun an das Kind weiter.

Wir machten uns wieder auf den Weg – dorthin, wohin die Hirschherden zogen und wo die Früchte reiften.

An der Feuerstelle blieb ein abgenutzter Faustkeil zurück.

So vergingen unzählige Generationen.

Kalte und warme Zeiten kamen und gingen immer wieder,

und die Steine der Menschen wurden immer kleiner und schärfer.

Eine Nacht in Suyanggae am Namhan-Fluss. Jemand ritzte Linien in einen Stein, eine nach der anderen.

KindWarum machst du Striche?
Der SteinritzerUm nicht zu vergessen.

Was er da zählte, werden wir vielleicht nie erfahren.

Vor etwa 20.000 Jahren, als die Eiszeit am kältesten war.

Der Meeresspiegel lag über 100 Meter tiefer als heute. Der Grund des heutigen Gelben Meeres war eine weite Ebene.

JägerGeht man immer der Abendsonne nach,
kommt man in ein großes Land.

Vor etwa 10.000 Jahren ging die lange Eiszeit zu Ende. Das Eis schmolz, und das Meer stieg.

Die ÄltesteAls ich klein war…
war dort alles Grasland.
KindDas Meer kommt
immer höher.
Die ÄltesteDas Feuer darf nie ausgehen.
Feuer ist unser Leben.

Das Meer verschlang die Ebene. Das Gelbe Meer entstand, und die Koreanische Halbinsel nahm allmählich ihre heutige Gestalt an.

Als die Kälte wich, wurden die Wälder dicht, und in den Flüssen wimmelte es von Fischen.

Auch das Leben der Menschen stand vor einem Wandel.

Eines Tages formte jemand Lehm vom Flussufer und legte ihn ins Feuer.

Ein neues Zeitalter brach an.

FalkenaugeGeschafft…! Selbst gemacht!

1978, am Hantan-Fluss. Ein Stein, der Hunderttausende von Jahren in der Erde gelegen hatte, lag wieder in einer Menschenhand.

Die Altsteinzeit, die fast 700.000 Jahre dauerte,

machte fast 99 Prozent der Zeit aus,
in der Menschen auf der Koreanischen Halbinsel leben.

In jenen langen Zeitaltern ohne Schrift, ohne Reiche und ohne Ackerbau überlebten die Menschen, indem sie Steine schlugen und ihr Feuer hüteten.

Ende von Folge 1

Geschichtsnotizen

Die Szenen dieser Geschichte wurden auf Grundlage der folgenden Quellen und Fundstätten gezeichnet.

  1. Ein einziger Stein vom Hantan-Fluss

    1978 spazierte Greg Bowen, Soldat auf dem US-Stützpunkt in Dongducheon, mit seiner Freundin am Hantan-Fluss bei Jeongok-ri in Yeoncheon entlang, als er einen ungewöhnlichen Stein entdeckte. In welchem Monat das war und wer ihn zuerst aufhob, erzählen die Berichte jeweils etwas anders. Bowen hatte an der Universität Archäologie studiert, und sein sorgfältiger Bericht gelangte über den berühmten französischen Altsteinzeitforscher François Bordes zu Professor Kim Won-yong von der Nationaluniversität Seoul. Bei der ersten Ausgrabung im folgenden Jahr, 1979, kamen Faustkeile, Hackgeräte und Schaber zutage, und es zeigte sich, dass der ganze Hügel eine Werkstatt der frühen Menschen gewesen war. Noch im selben Jahr wurde der Ort zur nationalen historischen Stätte erklärt.

    Jeongok-Museum für Vorgeschichte
  2. Faustkeil im Jeongok-Museum für VorgeschichteFaustkeil im Jeongok-Museum für Vorgeschichte

    Die Movius-These gerät ins Wanken

    In den 1940er-Jahren vertrat der amerikanische Archäologe Hallam Movius die Ansicht, beidseitig gleichmäßig bearbeitete Faustkeile gebe es nur in Afrika, Europa, Westasien und Indien, in Ostasien dagegen nur einfache Hackgeräte. Als in Jeongok-ri solche Faustkeile vom Acheuléen-Typ auftauchten, musste diese These neu überdacht werden. Heute kannst du die Faustkeile im Jeongok-Museum für Vorgeschichte direkt neben der Fundstätte mit eigenen Augen sehen.

  3. Was „vor etwa 700.000 Jahren“ bedeutet

    Das Alter altsteinzeitlicher Fundstätten wird anhand von Bodenschichten, Basalt und Vulkanasche, Holzkohle und Ähnlichem bestimmt. Deshalb steht immer ein „etwa“ davor, und die Spanne ist von Forscher zu Forscher verschieden. Dass Menschen vor etwa 700.000 Jahren auf der Koreanischen Halbinsel zu leben begannen, schließt man aus Fundstätten wie den ältesten Schichten der Geumgul-Höhle in Danyang. Allerdings wurde das Alter dieser Schichten durch den Vergleich von Steinwerkzeugen, Tierknochen und Bodenschichten geschätzt, und manche Forscher halten es für zu früh. Auch in Jeongok-ri floss der Basalt im Untergrund vor etwa 500.000 Jahren, und nach neueren Untersuchungen ist die unterste Fundschicht mindestens 200.000 Jahre alt.

    Jeongok-Museum für Vorgeschichte · Fundstätte Geumgul-Höhle, Danyang
  4. Altsteinzeitliche Fundstätten auf der ganzen Halbinsel

    Als erste wurde 1935 Donggwanjin in Jongseong am Tumen-Fluss gemeldet. Nach der Befreiung Koreas fand 1962–63 in Gulpo-ri bei Unggi die erste altsteinzeitliche Ausgrabung Nordkoreas statt, und 1964 begann ein Team um Professor Sohn Pow-key von der Yonsei-Universität in Seokjang-ri bei Gongju zu graben. In einer altsteinzeitlichen Behausung in Seokjang-ri fand man eine Feuerstelle, Holzkohle, Menschenhaar und Tierhaare; die Datierung der Holzkohle ergab, dass das Haus über 20.000 Jahre alt war.

    Fundstätte Seokjang-ri, Gongju
  5. Was die Knochen erzählen

    In der Durubong-Höhle bei Cheongju fand man Knochen von über 40 Tierarten, darunter Zweihorn-Nashörner, Höhlenhyänen, Urelefanten, Höhlenbären, große Makaken und Löwen, in Donggwanjin am Tumen-Fluss Knochen von Wollhaarmammuts. In Yeokpo und Mandal-ri bei Pjöngjang, in der Seungnisan-Höhle in Deokcheon und unter dem Felsdach von Sangsi in Danyang kamen auch Knochen altsteinzeitlicher Menschen zutage. Das Kinderskelett aus der Durubong-Höhle, das „Heungsu-Kind“, galt als Beleg für eine altsteinzeitliche Bestattung, weil daneben Chrysanthemenpollen verstreut waren. Spätere Radiokarbondatierungen ergaben jedoch ein viel jüngeres Alter, und die Frage ist bis heute umstritten.

    Fundstätte Durubong-Höhle, Cheongju
  6. Suyanggae, eine riesige Steinwerkstatt

    Im Sommer 1980 entdeckten Forscher, die das künftige Überflutungsgebiet des Chungju-Staudamms untersuchten, in Suyanggae bei Danyang am Namhan-Fluss eine große altsteinzeitliche Fundstätte. Allein über 200 Kernsteine, von denen Mikroklingen abgeschlagen worden waren, kamen zutage, dazu etwa 50 Stellen, an denen Steinwerkzeuge hergestellt wurden. Gegen Ende der Altsteinzeit benutzte man kleine, scharfe Werkzeuge wie Stielspitzen, die auf Schäfte gesetzt wurden, und 3 bis 5 Zentimeter lange Mikroklingen. 2014 fand man einen Stein mit über zwanzig eingeritzten Linien im Abstand von 0,4 Zentimetern; vorsichtig vermutet man, dass hier Zahlen als Zeichen festgehalten wurden.

    Fundstätte Suyanggae, Danyang
  7. Die Eiszeit und das Meer

    In der Altsteinzeit wechselten sich bitterkalte Kaltzeiten und etwas wärmere Warmzeiten mehrmals ab. In den kalten Phasen fiel das aus dem Meer verdunstete Wasser als Schnee, der nicht mehr schmolz und sich zu Eis auftürmte – so sank der Meeresspiegel. Vor etwa 20.000 Jahren, in der kältesten Zeit, lag er über 100 Meter tiefer als heute, und man hätte von den Gewässern vor dem heutigen Incheon bis zur Shandong-Halbinsel zu Fuß gehen können. Als die Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren endete, stieg das Meer, und das Gelbe Meer entstand.

Schlüsselbegriffe dieser Folge

Nächste Folge

Folge 2 · Wurzeln schlagen am Fluss

Die Eiszeit ist vorbei, und auf der Koreanischen Halbinsel wird es warm. Endlich beginnen die Menschen, an einem Ort zu bleiben. Die Geschichte von Menschen, die Gefäße aus Ton formen, Samen säen und Grubenhäuser bauen.

Bildnachweis

Alle Illustrationen dieses Webtoons sind neu gezeichnet; Namen und Dialoge der Figuren sind auf Grundlage historischer Fakten und Forschungsergebnisse frei nachgestaltet. Datierungen und Deutungen folgen der in der Forschung üblichen Darstellung; wo die Meinungen auseinandergehen, sagen es die Geschichtsnotizen.