Vom Yalu bis zum Tumen
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Im Winter 1443 schuf Sejong, der an einem Augenleiden litt, die achtundzwanzig Buchstaben. Es wurden Eingaben dagegen eingereicht, und König und Königin reisten gemeinsam zur Kur nach Chosu-ri. Im dritten Monat 1446 starb vor ihm Königin Soheon, mit der er achtunddreißig Jahre geteilt hatte, und im neunten Monat jenes Jahres wurde das Hunminjeongeum vollendet. Um für die Seelenruhe der Königin zu beten, dichtete der König in den neuen Buchstaben Lieder – Lieder vom Mond, der in tausend Flüssen scheint: das Worin cheongang jigok.
Figuren
1450: 54 Jahre alt
Errichtete die Sechs Garnisonen am Tumen
Überquerte den Yalu und schlug die Jurchen
Der General, der Tsushima angriff
Langjähriger Minister des alten Königs
Das Ufer des Tumen, das nördliche Ende Joseons.
Der Nordwind fährt durch die Wipfel, der helle Mond liegt kalt im Schnee,
auf dem Grenzwall, zehntausend Li fern, steh ich, auf mein langes Schwert gestützt,
ein langer Pfiff, ein mächtiger Ruf – nichts stellt sich mir in den Weg!
– Ein Sijo, das Kim Jong-seo geschrieben haben soll
Das Ufer, an dem er auf sein Schwert gestützt stand, wurde zur Grenze des Landes, wie wir es heute kennen.
Als Sejongs Zeit gerade anbrach, war die Nordgrenze Joseons noch nicht festgelegt.
Rund um Yalu (Amnok) und Tumen lebten viele Stämme der Jurchen, und in den Grenzdörfern verstummte der Hufschlag nie.
Auf dem südlichen Meer gab es japanische Piraten.
Im sechsten Monat 1419 fuhren auf Befehl des Altkönigs Taejong 227 Schiffe mit mehr als 17.000 Soldaten unter Yi Jong-mu hinüber nach Tsushima, dem Schlupfwinkel der japanischen Piraten.
Danach gab es auf dem südlichen Meer weit weniger japanische Piraten.
Im Winter 1432 überfielen Jurchen-Reiter von jenseits des Yalu den Bezirk Yeoyeon in der Provinz Pyeongan. Viele Menschen wurden getötet oder verschleppt.
Im vierten Monat des folgenden Jahres führte Choe Yun-deok, Oberbefehlshaber der Provinz Pyeongan, 15.000 Soldaten über den Yalu und schlug die Jurchen am Pajeo-Fluss.
Am Oberlauf des Yalu entstanden nacheinander vier Bezirke.
Yeoyeon, Jaseong, Muchang, Uye – die Vier Kommandanturen.
Das Ufer des Tumen im Nordosten lag noch ferner und war noch kälter. Der König vertraute dieses Land Kim Jong-seo an.
und siedelt das Volk dort an.
Dort endet unser Land.
Kim Jong-seo ging an den Tumen. Viele Jahre lang bewachte er danach dieses Land.
Am Fluss entlang errichtete er Festungen und richtete Bezirke ein. Hoeryeong, Jongseong, Gyeongwon, Gyeongheung, Onseong, Buryeong – die Sechs Garnisonen.
Menschen aus dem Süden verließen Haus und Heimat und zogen in den verschneiten äußersten Norden.
Am oberen Yalu die Vier Kommandanturen, am Tumen die Sechs Garnisonen.
Die Läufe der beiden Flüsse verbanden sich zu einer einzigen Linie.
Die Nordgrenze des Landes, wie wir es heute kennen, wurde damals gezogen.
Der Weg fort aus der Heimat war lang und kalt. Der König erleichterte den Menschen, die in den Norden zogen, Steuern und Frondienste und vergab auch Ämter an Leute aus jener Gegend.
wie weit ist es noch?
den Fluss sehen.
Über Kim Jong-seo soll der König gesagt haben:
hätte dieses Werk nicht vollbracht werden können;
wäre Kim Jong-seo da gewesen, aber nicht ich,
hätte es nicht durchgesetzt werden können.
Während an den beiden Flüssen Festungen entstanden, wurde der König alt.
Seine Augen waren so entzündet, dass er kaum noch sah, was vor ihm lag, und an vielen Stellen seines Körpers saß die Krankheit tief.
Und im Frühling 1446
ging ihm die Königin voraus, mit der er achtunddreißig Jahre geteilt hatte.
Der König begrub die Königin westlich vom Grab seines Vaters, König Taejongs. Und neben ihr ließ er eine weitere Kammer anlegen, in der er selbst liegen würde.
Zwei Kammern in einem Grab. Die eine war leer.
Im siebten Monat 1448 kündigte der König an, neben dem Palast wieder eine kleine buddhistische Kapelle zu errichten. Was habe so etwas in einem konfuzianischen Reich zu suchen, fragten die Minister und stellten sich ihm in den Weg, und die Studenten des Seonggyungwan, der Staatsakademie, ließen ihre Schule leer zurück und gingen.
Einer Überlieferung nach rief der König, als sogar die Gelehrten der Halle der Würdigen (Jiphyeonjeon) allesamt gegangen waren, den greisen Staatsrat Hwang Hui zu sich und sagte:
haben mich verlassen.
Was soll ich nun tun?
Hwang Hui soll die Gelehrten einen nach dem anderen zu Hause aufgesucht und zurückgeholt haben. Die Kapelle wurde in jenem Winter dennoch gebaut.
Nachts schlug der alte König ein abgegriffenes Buch auf. Zwischen den Seiten glitt ein gefaltetes Blatt Papier heraus.
17. Tag des 2. Monats 1450.
Der König schloss im Haus seines jüngsten Sohnes, Großprinz Yeongeung, die Augen. Er war vierundfünfzig.
Zweiunddreißig Jahre lang war er König gewesen.
Der Chronist schrieb: „Die Menschen jener Zeit nannten ihn den Yao und Shun des Ostens.“
Im sechsten Monat jenes Jahres legte sich der König in der leeren Kammer an der Seite der Königin zur Ruhe.
Vier Jahre lang war dieser Platz leer gewesen.
Der Mond ging auf.
Über dem Yalu, über dem Tumen – über der Mauer, auf der Kim Jong-seo, auf sein Schwert gestützt, gestanden hatte.
Wie der König gesungen hatte, schien ein Mond in tausend Flüssen.
Und über dem einen Grab.
Der König zog die Grenze des Landes an zwei Flüssen entlang.
Und die Grenze seines eigenen Lebens zog er an der Seite eines Menschen.
1469 wurde das Grab der beiden in das heutige Yeoju in der Provinz Gyeonggi verlegt. Unter einem einzigen Grabhügel liegen die beiden noch immer Seite an Seite.
Achtundzwanzig Jahre, die sie als Königin lebte. Achtundzwanzig Buchstaben, die der König hinterließ.
In diesen Buchstaben schreiben wir auch heute
jemandem einen Brief.