Herbst in der Festung Ansi
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Als Tang 631 Goguryeos Siegeshügel, den „Gyeonggwan“, zerstörte, begann Goguryeo an seiner Westgrenze eine tausend Li lange Mauer zu bauen. 642 putschte Yeon Gaesomun, der den Mauerbau beaufsichtigte: Er tötete König Yeongnyu und dessen Minister, setzte den Neffen des Königs als König Bojang auf den Thron und machte sich selbst zum Mangniji. Kaiser Taizong von Tang wartete auf die Gelegenheit, Goguryeo anzugreifen.
Figuren
Sein Name ist nicht überliefert
Erfundene Figur
Führt selbst ein großes Heer an
Oberbefehlshaber der Liaodong-Armee
Lässt den Erdhügel aufschütten
Führt 150.000 Mann zum Entsatz
644 kam Xiangli Xuanjiang, ein Gesandter Kaiser Taizongs, nach Goguryeo. Zu dieser Zeit hatte Yeon Gaesomun Silla bereits angegriffen und zwei seiner Festungen erobert.
schickt Tang nächstes Jahr Truppen.
raubte Silla uns fünfhundert Li Land.
hört der Kampf nicht auf!
Der Mangniji fügte sich Tang bis zuletzt nicht.
Luoyang, im elften Monat 644. Taizong, der beschlossen hatte, Goguryeo selbst anzugreifen, ließ Zheng Tianshu rufen, einen alten Beamten, der einst mit Kaiser Yang von Sui nach Goguryeo gezogen war.
Die Ostbarbaren verteidigen ihre Festungen gut – sie fallen nicht leicht.
Ihr braucht nur zuzusehen.
Alle Minister versuchten, ihn davon abzuhalten, doch Taizong ließ sich nicht umstimmen.
Als er im dritten Monat 645 von Dingzhou aufbrach, trug er selbst Bogen und Pfeile und band seinen Regenumhang eigenhändig hinter den Sattel.
Für China will ich seine Söhne und Brüder rächen,
für Goguryeo die Schmach seines Königs tilgen.
朕今東征 欲爲中國報子弟之讎 高句麗雪君父之恥耳 — Samguk Sagi, König Bojang, 4. Jahr
Im vierten Monat überquerte die Tang-Vorhut unter Li Shiji den Liao-Fluss.
Jetzt zu den Festungen Liaodongs!
Goguryeos Festungen gerieten in große Unruhe; jede verschloss ihre Tore und rüstete sich zur Verteidigung.
Im fünften Monat, vor der Festung Liaodong. Die Katapulte der Tang schleuderten große Steine über 300 Schritt weit und zerschmetterten alles, was sie trafen.
An einem Tag mit heftigem Südwind legten die Tang-Truppen Feuer an den südwestlichen Turm, und die Flammen griffen auf das Innere der Festung über. Die Festung Liaodong fiel schließlich.
Im vierten Monat die Festung Gaemo, im fünften die Festungen Bisa und Liaodong, im sechsten die Festung Baegam: Eine Festung östlich des Liao-Flusses nach der anderen fiel an das Tang-Heer.
Der Herr der Festung Baegam ergab sich heimlich und hisste die Tang-Fahne über der Festung.
Das Tang-Heer lenkte seine Pferde erneut nach Süden.
Und auf diesem Weg
verriegelte eine Bergfestung fest ihre Tore.
Die Festung Ansi, eine Bergfestung südlich der Festung Liaodong. Aus den gefallenen Festungen strömten Flüchtlinge herbei.
Sie ist… ganz abgebrannt.
bis hierher?
Der Herr, der die Festung Ansi verteidigte. Sein Name blieb in keiner Chronik erhalten.
fallen?
hier in der Festung, nicht?
ein Verteidiger dieser Festung.
Über den Herrn der Festung Ansi, so sagte Taizong, habe er Folgendes gehört.
überlasst ihm.
Als der Mangniji Yeon Gaesomun putschte, schloss sich der Festungsherr ihm nicht an und hielt seine Festung. Yeon Gaesomun griff sie an, so heißt es, konnte sie aber nicht einnehmen.
Als das Tang-Heer im sechsten Monat die Festung Ansi erreichte und den Angriff begann, rückte ein Entsatzheer Goguryeos von 150.000 Mann heran.
Unser Heer ist da!
Es waren Truppen aus Goguryeo und Malgal-Krieger unter Go Yeon-su, dem Yoksal des Nordbezirks, und Go Hye-jin, dem Yoksal des Südbezirks. Ein Yoksal war der Statthalter einer großen Provinzfestung.
Go Jeong-ui, ein betagter und erfahrener Minister, sprach zu Go Yeon-su.
Kämpft nicht – haltet aus und schneidet ihm den Nachschub ab.
Go Yeon-su hörte nicht auf ihn und rückte geradewegs bis auf 40 Li an die Festung Ansi heran.
Als die göktürkischen Reiter der Tang kämpften und dann zum Schein flohen, hielt Go Yeon-su sie für „leichte Gegner“, setzte ihnen nach und schlug am Fuß eines Berges 8 Li südöstlich der Festung Ansi sein Lager auf.
greift alle zugleich an.
In jener Nacht fiel eine Sternschnuppe auf Go Yeon-sus Lager.
Am nächsten Morgen erschallten Trommeln und Hörner, und die versteckten Tang-Truppen brachen von allen Seiten hervor.
Unter Donner und Blitz stürmte Xue Rengui, ein Tang-Soldat in auffälligem Weiß, mit lautem Schrei mitten hinein. Das Heer Goguryeos brach völlig zusammen.
Als auch noch die Brücken für den Rückzug zerstört waren, ergaben sich Go Yeon-su und Go Hye-jin mit 36.800 Mann.
hat sich ergeben.
halten wir sie selbst.
Taizong benannte den Berg, auf dem er haltgemacht hatte, in „Berg Zhubi“ um. Das bedeutet „Berg, an dem der Kaiser haltmachte“.
Das Tang-Heer umzingelte die Festung. Jedes Mal, wenn die Leute von Ansi die Banner und den Ehrenschirm des Kaisers erblickten, stiegen sie auf die Mauern, schlugen die Trommeln und schrien.
Taizong war außer sich vor Zorn. Li Shiji trat vor und sprach zu ihm.
lasst uns alle Männer
töten!
Als diese Worte in die Festung drangen, verteidigten die Leute von Ansi sie umso hartnäckiger.
Die Belagerung zog sich hin. Go Yeon-su und Go Hye-jin, die sich ergeben hatten, sagten zu Taizong:
Die Leute von Ansi lieben ihre Häuser;
jeder Einzelne kämpft aus eigenem Willen.
安市人顧惜其家 人自為戰 — Samguk Sagi, König Bojang, 4. Jahr
Während sich die Belagerung hinzog, stieg in der Festung von Tag zu Tag weniger Kochrauch auf. Doch eines Abends drang lautes Gegacker und Gegrunze aus der Festung.
Heute Nacht brechen sie aus.
Haltet euch bereit!
In jener Nacht ließen sich mehrere hundert Goguryeo-Soldaten an Seilen die Mauern hinab.
Die wartenden Tang-Truppen stürmten mit Fackeln heran. Taizong kam selbst an den Fuß der Mauern und trieb seine Männer an.
Der Tag brach an. Dutzende Goguryeo-Soldaten kehrten nicht zurück.
Die leeren Seile schwankten im Morgenwind.
Danach begann Li Daozong, Prinz von Jiangxia und ein Verwandter Kaiser Taizongs, an der Südostecke der Festung einen Erdhügel aufzuschütten.
Schüttet ihn höher als die Mauern!
Sechzig Tage lang wurde Tag und Nacht aufgeschüttet. Es kostete 500.000 Tagewerke.
In der Festung hielt man dagegen und baute die eigenen Mauern höher. Gekämpft wurde sechs- oder siebenmal am Tag.
sofort schließen!
Wenn Steine Türme und Zinnen zertrümmerten, errichtete man an ihrer Stelle sofort Holzpalisaden.
Der Gipfel des Erdhügels war nur wenige Klafter von der Mauer entfernt, und von dort lag das Innere der Festung offen vor Augen.
direkt in unser Haus.
nicht vorbei.
Da brach der Erdhügel zusammen und stürzte auf die Mauer.
Ein Teil der Mauer stürzte ein.
Ausgerechnet da hatte Fu Fu’ai, der den Gipfel des Hügels bewachte, seinen Posten verlassen.
Nehmt den Hügel!
Mehrere hundert Goguryeo-Soldaten stürmten durch die Bresche, eroberten den Erdhügel und hielten ihn, indem sie ringsum einen Graben aushoben.
Taizong ließ Fu Fu’ai hinrichten, weil er seinen Posten verlassen hatte, und versuchte drei Tage lang, den Hügel zurückzuerobern – vergeblich.
Unterdessen
schritt der Herbst voran.
In Liaodong wurde es früh kalt. Das Gras verdorrte, das Wasser fror, Menschen und Pferde konnten nicht mehr lange bleiben, und auch die Vorräte gingen zur Neige.
kehrt um.
Vor dem Abzug ließ das Tang-Heer unterhalb der Festung Ansi seine Truppen aufmarschieren, um seine Macht zu zeigen.
Aus der Festung blickte niemand heraus.
Da stieg der Festungsherr auf die Mauer.
Der Festungsherr verbeugte sich vor dem abziehenden Kaiser und nahm Abschied.
du hast standgehalten.
Diene deinem König treu.
Taizong lobte ihn für die standhafte Verteidigung der Festung und schenkte ihm 100 Ballen Seide.
sie fallen nicht leicht.
Das Tang-Heer zog ab. Der Kampf, der fast drei Monate gedauert hatte, war vorüber.
Auf dem Rückweg versanken Wagen und Pferde im Morast der Liaoze-Sümpfe. Auch Taizong lud Reisig auf seinen Sattel und half, den Weg aufzufüllen.
Als sie den Bocuo-Fluss überquerten, brach ein Schneesturm los, und viele durchnässte Soldaten erfroren.
Taizong, der sein Ziel nicht erreicht hatte, bereute zutiefst. Wei Zheng, der Minister, der ihm stets unerschrocken die Wahrheit gesagt hatte, war zwei Jahre zuvor gestorben.
Hätte Wei Zheng noch gelebt,
er hätte mich diesen Weg nie antreten lassen.
魏徵若在 不使我有是行也 — Samguk Sagi, König Bojang, 4. Jahr
heißt Ihr?
Wie du.
Die Festung verteidigten die Menschen in ihr.
Fünfhundert Jahre später schrieb Kim Bu-sik, der das Samguk Sagi zusammenstellte:
Dieser Festungsherr darf wahrlich ein außergewöhnlicher Held heißen.
Doch die Geschichte hat seinen Namen verloren –
das ist sehr zu bedauern.
其城主 可謂豪傑非常者矣 而史失其姓名 … 甚可惜也 — Samguk Sagi, König Bojang, 4. Jahr, Kommentar von Kim Bu-sik


