Könige aus dem Ei
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Biryu und Onjo, zwei Söhne Jumongs, des Gründers von Goguryeo, zogen nach Süden. Der ältere, Biryu, wählte das Meer und scheiterte in Michuhol; der jüngere, Onjo, gründete am Han-Fluss „Sipje“, benannte es in „Baekje“ um und herrschte bis 28 n. Chr.
Figuren
Er erzählt diese Geschichte
aus einem Ei bei Najeong
Hyeokgeoses Königin
übers Meer kam
Truhe im Wald
Nach der Zeitrechnung des Samguk Sagi noch vor Baekje, ja sogar vor Goguryeo.
In einem von Bergen umschlossenen Becken im Südosten der Koreanischen Halbinsel
schlüpfte ein Reich aus dem Ei.
HogongIch bin Hogong. Ich kam von jenseits des Meeres, aus Wa.
HogongAls ich zum ersten Mal das Meer überquerte, trug ich eine Kalebasse am Gürtel. Darum nannten mich die Leute „Hogong“ – nach dem Schriftzeichen 瓠 (ho) für „Kalebasse“.
HogongAls ich in dieses Land kam, erzählten mir die Leute eine alte Geschichte.
Menschen aus dem alten Joseon lebten verstreut in den Bergtälern und bildeten sechs Dörfer.
Das Ei von Najeong
Die Geschichte von Bak Hyeokgeose, wie sie das Samguk Sagi und das Samguk Yusa überliefern
Als sie von einer Anhöhe nach Süden blickten, sahen sie neben Najeong, einem Brunnen am Fuß des Berges Yang, einen Schein wie einen Blitz zur Erde herabreichen.
Ein weißes Pferd kniete dort, tief gebeugt wie zu einer Verneigung.
Als die Menschen näher kamen, wieherte das Pferd lang und stieg zum Himmel auf.
Zurück blieb ein großes purpurnes Ei.
Als sie das Ei aufbrachen, kam ein kleiner Junge heraus.
Als sie ihn in der Quelle von Dongcheon wuschen, so heißt es, strahlte sein Körper Licht aus, und Vögel und Tiere tanzten.
HogongIn der Nacht, als ich diese Geschichte hörte, spielte ich lange mit der Kalebasse an meinem Gürtel.
HogongDie Leute hier nennen die Kalebasse (瓠) „Bak“. Weil das große Ei, aus dem er kam, wie eine Kalebasse (瓠) aussah, wurde auch der Familienname des Kindes „Bak“ – so erzählte man.
57 v. Chr. erhoben die Menschen der sechs Dörfer den dreizehnjährigen Jungen zu ihrem König.
„Geoseogan“ war in der Sprache von Jinhan die Anrede für einen König oder eine hochgestellte Person. Seonabeol, auch Seorabeol genannt, wurde später zu Silla.
Im ersten Monat des Jahres 53 v. Chr., so heißt es, erschien am Aryeong-Brunnen ein Drache und gebar aus seiner Seite ein Mädchen.
Als man sie im Bach wusch, fiel der Schnabel einfach ab. Das Kind wurde nach dem Brunnen „Aryeong“ genannt.
Aryeong wuchs heran und wurde Königin. Sie war gütig und eine große Hilfe für den König.
41 v. Chr. besuchten König und Königin gemeinsam die sechs Dörfer und ermunterten die Menschen zu Ackerbau und Seidenraupenzucht.
28 v. Chr. fielen Truppen aus Lelang in die Grenzdörfer ein.
„Hier bestiehlt keiner den anderen – ein Land, das dem Weg (道) folgt.“ Mit diesen Worten zogen die Lelang-Truppen ab.
Im Westen der Koreanischen Halbinsel lag Mahan, eine große Macht, der gut fünfzig kleine Staaten unterstanden.
Im Frühling 20 v. Chr.
ging ich als Gesandter nach Mahan.
HogongNur weil seine Höflinge ihn zurückhielten, kam ich mit dem Leben davon.
Im Jahr darauf starb der König von Mahan.
HogongDieser König hatte mich töten wollen. Doch unser König schickte stattdessen einen Gesandten, um sein Beileid zu bekunden.
Die Truhe von jenseits des Meeres
Die Geschichte von Seok Talhae, wie sie das Samguk Sagi und das Samguk Yusa überliefern
Jenseits des Meeres, in Dapana, brachte die Königin nach sieben Jahren Schwangerschaft ein großes Ei zur Welt.
Die Königin brachte es nicht übers Herz, das Ei wegzuwerfen. Sie hüllte es in Seide, legte es in eine Truhe und ließ es aufs Meer hinaustreiben.
Die Truhe, die nicht einmal die Leute von Geumgwan annehmen wollten, trieb weiter und landete in Ajinpo in Jinhan.
ein kleiner Junge!
Weil eine Elster (鵲) der Truhe gefolgt war, wählte man als Familiennamen „Seok“ (昔): das Zeichen für „Elster“ (鵲) ohne den Teil „Vogel“ (鳥). Und weil er herausgekommen war, indem er die Truhe aufmachte, nannte man ihn „Talhae“ (脫解).
Talhae ernährte seine Mutter mit Fischfang. Nie zeigte er auch nur eine Spur von Faulheit.
Talhae widmete sich dem Lernen und eignete sich vieles an, bis hin zur Lehre vom Land (Geografie).
Talhae soll den Berg Toham bestiegen, einen Steinhügel aufgeschichtet und sieben Tage lang nach einem Ort zum Leben Ausschau gehalten haben.
HogongAusgerechnet mein Haus.
HogongIn jener Nacht vergrub jemand heimlich etwas neben meinem Haus.
Am nächsten Tag behauptete dieser Junge steif und fest, das Haus habe seinen Vorfahren gehört.
Grabt nur nach!
HogongTatsächlich kamen ein Wetzstein und Holzkohle aus der Erde. Das Haus ging an diesen Jungen.
Dieser Ort wurde später zu „Wolseong“, dem Palast von Silla.
4 n. Chr. starb Hyeokgeose, und sein Sohn Namhae bestieg den Thron.
König Namhae gab dem klugen Talhae seine älteste Tochter zur Frau,
verlieh ihm das hohe Amt des „Daebo“
und vertraute ihm die Staatsgeschäfte an.
24 n. Chr. rief König Namhae vor seinem Tod seinen Sohn Yuri und seinen Schwiegersohn Talhae zu sich.
Als König Namhae gestorben war, wollte jeder der beiden dem anderen den Thron überlassen.
So wurde Yuri König, und den König nannte man „Isageum“ – von „Itgeum“, Zahnabdrücke.
32 n. Chr. benannte Yuri Isageum die sechs Dörfer (die Sechs Bu) um
und verlieh ihnen sechs Familiennamen: Yi, Choe, Son, Jeong, Bae und Seol.
Im Herbst jenes Jahres teilten sich die Frauen der Sechs Bu in zwei Gruppen und wetteiferten einen ganzen Monat lang im Weben.
Am 15. Tag des 8. Monats tischten die Verliererinnen Wein und Speisen auf und bewirteten die Siegerinnen. Dieses Fest, „Gabae“, gilt als Ursprung von Hangawi (Chuseok).
57 n. Chr. wurde Talhae mit zweiundsechzig Jahren endlich König.
Im Jahr darauf machte Talhae mich zum Daebo.
Ausgerechnet der Junge,
der mir mit einer List mein Haus abgenommen hatte.
Die goldene Truhe im Wald
Die Geschichte von Kim Al-ji, wie sie das Samguk Sagi und das Samguk Yusa überliefern
HogongIn einer Frühlingsnacht des Jahres 65 n. Chr. krähte im Wald Sirim ein Hahn. Bei Tagesanbruch schickte mich der König in diesen Wald.
HogongAls man die Truhe öffnete, setzte sich darin ein auffallend schöner kleiner Junge auf.
Der König nahm das Kind auf und zog es groß. Weil es klug und einfallsreich war, nannte er es „Al-ji“, und weil es aus einer goldenen Truhe kam, gab er ihm den Familiennamen „Kim“ (金).
Sirim, der Wald, in dem der weiße Hahn gekräht hatte, wurde in „Gyerim“ (鷄林) umbenannt.
HogongIch sah alle drei.
Den König aus dem Ei, den Jungen, der mir mein Haus nahm, und das Kind, das ich im Wald fand.
HogongSie alle kamen von irgendwoher. Genau wie ich, der mit einer Kalebasse am Gürtel übers Meer kam.
Laut Samguk Yusa überließ Al-ji den Thron Pasa, obwohl er Kronprinz geworden war.
262 wurde sein Nachfahre Michu als Erster aus der Familie Kim König.
Silla, von Königen aus drei Familien – Bak, Seok und Kim – geführt,
bestand fast tausend Jahre.
