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Folge 4Ein Reich, vom Himmel gesandt
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Folge 4

Ein Reich, vom Himmel gesandt

Die Dangun-Legende und Gojoseon · 2333 v. Chr. (Überlieferung)
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🎧 Mit Ton wird es noch lebendiger.
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Was bisher geschah

In der Bronzezeit, als sich in den Dörfern das Getreide häufte, gab es bald Besitzende und Besitzlose. Der Häuptling mit Bronzedolch und Spiegel gab sich als Nachkomme des Himmels aus, und Hunderte hängten sich in die Seile, um für ihn einen Dolmen zu errichten. In der Nacht, als der Dolmen stand, begann der alte Priester, den Kindern die Geschichte vom Sohn des Himmelskönigs zu erzählen.

Figuren

HwanungSohn von Hwanin.
Steigt in die Welt der Menschen herab
Bärin (Ungnyeo)Eine Bärin, die betete,
Mensch zu werden
TigerEin Tiger, der mit der Bärin
in einer Höhle lebte
Dangun WanggeomSohn von Hwanung und Ungnyeo.
Gründet Joseon
König JunKönig von Gojoseon.
Folgte seinem Vater, König Bu, nach

In der Nacht, als der Dolmen stand, erzählte der alte Priester am Lagerfeuer seine Geschichte weiter.

PriesterEin Greis, der die alten Sagen kennt
PriesterHwanin, der König des Himmels,
hatte einen Sohn namens Hwanung.
Hwanung blickte immer hinab
auf die Welt der Menschen dort unten.

Die Dangun-Legende

Die Gründungsgeschichte von Gojoseon, wie sie im Samguk Yusa überliefert ist

HwaninKönig des HimmelsHwanungSohn von Hwanin
HwanungVater, ich möchte hinab
in die Welt der Menschen.
HwaninIn jenem Land könntest du
dem Wohl aller Menschen dienen.

„Dem Wohl aller Menschen dienen“ – der Ausdruck Hongik Ingan (弘益人間) geht auf diese Worte Hwanins zurück.

HwaninIch gebe dir die drei Himmlischen Siegel.
Steig hinab und herrsche.

Hwanin gab seinem Sohn drei Zeichen des Himmels: die Himmlischen Siegel (Cheonbuin).

Mit einem Gefolge von 3.000 stieg Hwanung auf den Gipfel des Berges Taebaek herab, unter den Göttlichen Altarbaum.

Pungbaek (Herr des Windes)Lenkt den WindUsa (Herr des Regens)Lenkt den RegenUnsa (Herr der Wolken)Lenkt die Wolken

Hwanung nannte den Ort Sinsi, die Göttliche Stadt, und regelte mehr als 360 Angelegenheiten der Menschenwelt, darunter Getreide, Leben, Krankheit, Strafe sowie Gut und Böse.

HwanungErntet das Getreide, pflegt die Kranken
und bringt Unrecht wieder ins Lot.

Zu jener Zeit lebten eine Bärin und ein Tiger zusammen in einer Höhle. Tag für Tag beteten die beiden zu Hwanung.

BärinBitte lasst uns
Menschen werden.
TigerWir wollen Menschen werden!
HwanungEsst dies und meidet hundert Tage
das Sonnenlicht, dann werdet ihr Menschen.

Es waren eine Handvoll heiliger Beifuß und zwanzig Knoblauchzehen.

Ein Tag, zwei Tage, zehn Tage… Die Tage in der Höhle waren lang und dunkel.

TigerGrrr…
Ich halt’s nicht mehr aus!
BärinNur noch…
ein bisschen durchhalten.

Am Ende hielt es der Tiger nicht mehr aus und stürmte aus der Höhle.

HwanungMeidet hundert Tage das Sonnenlicht…

Allein zurückgeblieben, harrte die Bärin schweigend in der Dunkelheit aus.

Und dann kam der einundzwanzigste Tag.

Die Bärin war zur Frau geworden. Die Menschen nannten sie Ungnyeo, die „Bärenfrau“.

UngnyeoDas also sind…
Menschenhände…

Ungnyeo hatte niemanden, den sie heiraten konnte, und so betete sie Tag für Tag unter dem Göttlichen Altarbaum um ein Kind.

UngnyeoSchenkt mir
ein Kind…

Hwanung nahm für eine Weile Menschengestalt an und heiratete Ungnyeo.

Schließlich gebar Ungnyeo einen Sohn.

Dieses Kind war kein anderer als Dangun Wanggeom.

Als Dangun Wanggeom erwachsen war, machte er die Festung Pjöngjang zu seiner Hauptstadt

und nannte sein Reich „Joseon“.

Später verlegte Dangun die Hauptstadt nach Asadal und herrschte 1.500 Jahre lang über das Reich.

Dann zog er sich nach Asadal zurück und wurde zum Berggott. Er soll damals 1.908 Jahre alt gewesen sein.

KindIst die Bärin wirklich…
ein Mensch geworden?
PriesterSo wird es
überliefert.

Diese Geschichte, die lange von Mund zu Mund weitergegeben wurde,

fand viel später Eingang in das Samguk Yusa, das der Goryeo-Mönch Iryeon aus alten Aufzeichnungen zusammenstellte, und ist so bis heute erhalten.

Und die Legende wird zur Geschichte.

Eine Hauptstadt mit Erdwällen, ein Herrscher auf einem Altar. So könnte Gojoseon ausgesehen haben.

Dangun WanggeomPriester und König
Dangun WanggeomNach dem Willen des Himmels
will ich dem Wohl aller Menschen dienen!

Spätere Geschichtswerke setzten das Jahr, in dem Dangun sein Reich gründete, auf 2333 v. Chr. an.

Die Jahre vergingen, und Gojoseon wurde immer stärker.

So stark, dass es sich mit seinem westlichen Nachbarn messen konnte, dem chinesischen Staat Yan.

Es kam die Nachricht, der Herrscher von Yan habe sich selbst zum „König“ erklärt und habe es auf die Länder im Osten abgesehen.

König von JoseonSind die dort Könige,
bin ich es auch!
Sammelt ein Heer und greift Yan an!
Minister YeEin Minister im Dienst des Königs
Minister YeDas dürft Ihr nicht, Majestät.
Haltet sie zuerst mit Worten auf.

Der König gab seinen Plan auf und schickte Minister Ye nach Yan. Auch Yan hielt seine Truppen zurück.

Doch der Frieden hielt nicht lange. Der Yan-General Qin Kai fiel mit einem großen Heer ein.

Qin KaiYan-General

Gojoseon verlor über 2.000 Li seiner westlichen Gebiete und wurde stark geschwächt.

KindPapa,
wohin gehen wir jetzt?
PapaNach Osten…
Wir müssen ein neues Zuhause finden.

Gojoseon hatte ein Gesetz mit acht Artikeln. Heute sind nur drei davon bekannt.

BeamterWer einen Menschen tötet,
bezahlt sofort mit dem Tod!
Wer einen anderen verletzt,
bezahlt mit Getreide!
BeamterWer fremdes Gut stiehlt,
wird Sklave in jenem Haus!
DiebBitte… nur dieses eine Mal,
vergebt mir…

Wer sich aus der Sklaverei freikaufen wollte, musste pro Person 500.000 Münzen zahlen.

Es heißt, die Menschen hätten einander nie bestohlen, und so habe niemand sein Tor verschlossen.

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. herrschte in China großes Chaos.

Während das Reich Qin zerfiel und die Han an seine Stelle traten,

strömten Menschen auf der Flucht vor dem Krieg nach Gojoseon.

Zu jener Zeit herrschte in Gojoseon König Jun, der Sohn von König Bu.

König JunKönig von Gojoseon
König JunGebt ihnen im Westen
Land zum Leben.

Eines Tages überquerte ein Mann von Westen her den Fluss, an der Spitze einer Schar von über tausend Menschen.

Er trug einen Haarknoten und war anders gekleidet als die Leute aus Yan. Sein Name war Wiman.

Wiman ging zu König Jun und bat darum, sich an der Westgrenze ansiedeln zu dürfen; dort wolle er dem Reich als Schutzwall dienen.

König JunIch ernenne dich zum Gelehrten
und gebe dir hundert Li im Westen.
Schütze mir die Grenze.
WimanIch schütze sie
mit meinem Leben.

König Jun vertraute Wiman.

König JunSchütze mir die Grenze.

Tag für Tag scharten sich neue Menschen um Wiman.

Wiman, der Mann, der über den Fluss kam.

Er sollte das Schicksal
von Gojoseon verändern.

Ende von Folge 4

Geschichtsnotizen

Die Szenen dieser Geschichte wurden auf Grundlage der folgenden Quellen und Fundstätten gezeichnet.

  1. Samguk YusaSamguk Yusa · Ausgestellt im Kyujanggak der Seoul National University

    Die Geschichte im Samguk Yusa

    Die Dangun-Legende steht im Samguk Yusa, das der Goryeo-Mönch Iryeon um 1281 verfasste. Es ist eines der ältesten Bücher, die diese Legende überliefern; wenige Jahre später nahm auch Yi Seung-hyu sie in sein Jewang Ungi auf. Das Buch auf dem Foto ist ein späterer Nachdruck aus der Joseon-Zeit, denn vom ersten Druck aus der Goryeo-Zeit ist kein Exemplar erhalten. Iryeon gab an, die Geschichte aus alten Büchern namens Buch der Wei und Gogi (Alte Aufzeichnungen) übernommen zu haben; das Gogi ist heute verloren.

    Samguk Yusa, „Wunder“, Gojoseon (Wanggeom Joseon)
  2. Beifuß und Knoblauch, die Himmlischen Siegel, Hongik Ingan

    Im Originaltext heißt es „ein Docht Beifuß und zwanzig Stück Knoblauch (蒜)“. Manche meinen, mit diesem „Knoblauch“ sei nicht der heutige Knoblauch gemeint, sondern ein Wildkraut wie Dallae (wilder Schnittlauch). Hwanung sprach von „hundert Tagen“, doch im Original steht, die Bärin habe das Tabu „dreimal sieben Tage“ (21 Tage) lang eingehalten und den Körper einer Frau erhalten. Was die Himmlischen Siegel, die Zeichen des Himmels, waren, steht nicht im Text; viele Forscher denken an Bronzespiegel, -dolche und -schellen, wie sie bronzezeitliche Herrscher tatsächlich besaßen. Hongik Ingan, das auf Hwanins Worte zurückgeht, das Land sei geeignet, „dem Wohl aller Menschen zu dienen“, galt als Gründungsideal von Gojoseon; heute ist es in Artikel 2 des Bildungsrahmengesetzes als Leitidee des koreanischen Bildungswesens festgeschrieben. Über den Tiger heißt es nur, er habe „das Tabu nicht eingehalten und sei kein Mensch geworden“.

    Samguk Yusa, „Wunder“, Gojoseon (Wanggeom Joseon) · Bildungsrahmengesetz, Artikel 2
  3. Die alte Gesellschaft, die in der Legende steckt

    Ein Mythos ist weniger ein Bericht über tatsächliche Ereignisse als eine Erzählung, in die die Vorstellungen und Erinnerungen der Menschen seiner Zeit eingeflossen sind. Hwanung, der vom Himmel herabstieg, erinnert an einen Stamm, der sich als Nachkommen des Himmels ausgab, die Bärin und der Tiger an Stämme, die jeweils dieses Tier verehrten. Der Bärenstamm hätte sich demnach mit Hwanungs Stamm verbündet. Dass die Götter von Wind, Regen und Wolken mitkamen, liegt wohl daran, dass es eine Ackerbaugesellschaft war, in der die Ernte eines Jahres vom Wetter abhing. „Dangun“ bedeutet vermutlich Priester und „Wanggeom“ politischer Anführer; daher spricht man von einer Gesellschaft mit Einheit von Kult und Herrschaft, in der eine einzige Person für Rituale und Politik zuständig war.

  4. Joseon, Gojoseon und 2333 v. Chr.

    Das von Dangun gegründete Reich hieß ursprünglich einfach „Joseon“. Iryeon nannte es „Altes Joseon“, also Gojoseon, um es von Wimans Joseon zu unterscheiden, das später kam; heute dient der Name auch zur Unterscheidung von dem Joseon, das Yi Seong-gye 1392 gründete. Das Gründungsjahr „2333 v. Chr.“ errechneten Geschichtswerke der Joseon-Zeit wie das Dongguk Tonggam, indem sie es in die alte chinesische Chronologie einpassten. Forscher gehen davon aus, dass Gojoseon heranwuchs, indem sich mehrere Stämme mit bronzezeitlicher Kultur zusammenschlossen und stärkere Stämme ihre Nachbarn unter ihre Herrschaft brachten.

    Samguk Yusa · Dongguk Tonggam
  5. Gaecheonjeol und die Dangun-Ära

    Gaecheonjeol, der Tag der Staatsgründung, den man jedes Jahr am 3. Oktober feiert, bedeutet „Tag, an dem sich der Himmel öffnete“; der Nationalfeiertag erinnert daran, dass Dangun Gojoseon gründete. Früher beging man ihn nach dem Mondkalender, seit 1949 ist er auf den 3. Oktober des Sonnenkalenders festgelegt. Die Jahre der Dangi (Dangun-Ära) werden ab dem Jahr gezählt, in dem Dangun sein Reich gegründet haben soll: Man addiert 2333 zur Jahreszahl n. Chr., 2026 ist also das Jahr Dangi 4359. Von 1948 bis Ende 1961 war die Dangi die offizielle Jahreszählung des Landes, und Zeitungen dieser Zeit trugen Daten wie „Dangi 4281“.

  6. Dolmen von Bugeun-ri, GanghwaDolmen von Bugeun-ri, Ganghwa · Tischtyp

    Wo lag Gojoseon?

    Gojoseon entwickelte sich in der Region Liaoning und im Nordwesten der Koreanischen Halbinsel. Man nimmt an, dass sich die Gebiete, in denen die mandolinenförmigen Bronzedolche aus Folge 3, die Dolmen vom Tischtyp mit tischbeinartig aufgestellten Tragsteinen und die Keramik vom Typ Misong-ri mit Hals gemeinsam vorkommen, mit dem Land decken, in dem die Menschen von Gojoseon lebten. Viele Forscher meinen, dass sich das Zentrum von Gojoseon nach dem Einfall von Qin Kai aus der Region Liaoning in das Becken des Taedong-Flusses auf der Koreanischen Halbinsel verlagerte. Über die genaue Ausdehnung und die Lage der Hauptstadt sind sich die Forscher jedoch bis heute nicht einig.

  7. Gojoseon in chinesischen Geschichtswerken

    Das Weilüe berichtet, dass sich um das 4. Jahrhundert v. Chr., als der Herrscher von Yan den Königstitel annahm, auch der Herrscher von Joseon zum König erklärte. Auf den Rat von Minister Ye habe er jedoch kein Heer aufgestellt, sondern Ye als Gesandten nach Yan geschickt und so einen Krieg abgewendet. Später verlor Joseon durch den Einfall von Qin Kai über 2.000 Li seiner westlichen Gebiete und machte „Manbeonhan“ zur Grenze, doch König Bu (否王) und sein Sohn König Jun herrschten nacheinander weiter. Unter dem König gab es Ämter wie den Daebu (Minister), und später, zur Zeit von Wiman Joseon, tauchen in den Quellen auch Titel wie Sang (Minister) und General auf. Die „Abhandlung über die Geographie“ im Buch der Han überliefert drei der Acht Verbote. Sie zeigen eine Gesellschaft, die das menschliche Leben hochschätzte, klar zwischen Eigenem und Fremdem unterschied und sowohl einen Sklavenstand als auch etwas kannte, das als Geld diente. In den Aufzeichnungen des Großen Historikers heißt es, Wiman sei „mit Haarknoten und in Barbarenkleidung“ gekommen; viele Forscher sehen darin die Tracht der Menschen von Joseon.

    Weilüe · Buch der Han, „Abhandlung über die Geographie“ · Aufzeichnungen des Großen Historikers, „Bericht über Joseon“

Schlüsselbegriffe dieser Folge

Nächste Folge

Folge 5 · Wiman wird König

Wiman, der Exilant mit dem Haarknoten, der nach Osten herüberkam. König Jun vertraute ihm und überließ ihm das Land im Westen, doch am Ende zog Wiman gegen die Festung Wanggeom. Und Menschen, die Eisen zu bearbeiten wussten, beginnen Gojoseon zu verändern.

Bildnachweis

Alle Illustrationen dieses Webtoons sind neu gezeichnet; Namen und Dialoge der Figuren sind auf Grundlage historischer Fakten und Forschungsergebnisse frei nachgestaltet. Datierungen und Deutungen folgen der in der Forschung üblichen Darstellung; wo die Meinungen auseinandergehen, sagen es die Geschichtsnotizen.