Die Wellen des Salsu
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
In der letzten Folge lernten wir Sillas erste Königin kennen, Königin Seondeok. Obwohl sie 642 die Festung Daeya verlor und vom Tang-Kaiser verachtet wurde, errichtete sie die neunstöckige Pagode des Hwangnyongsa, und 647 starb sie mitten in Bidams Aufstand. An ihrer Seite standen zwei Säulen des Reiches: Kim Chun-chu und Kim Yu-sin.
Figuren
Listenreich und wortgewandt
Bietet Sui die Stirn
Greift Goguryeo dreimal an
Lässt Eulji Mundeok entkommen
Stößt bis Pjöngjang vor
Eulji Mundeoks · erdachte Figur
Diesmal führt uns die Geschichte zurück ins Goguryeo etwa eine Generation vor Königin Seondeok.
589 einte die Sui-Dynastie China, das lange in Nord und Süd gespalten gewesen war.
Dieses große Reich blickte nach Osten,
auf Goguryeo.
Im zweiten Monat 598 griff König Yeongyang von Goguryeo mit über 10.000 Malgal-Kriegern das Sui-Gebiet Liaoxi an.
Nach Westen!
Wei Chong, der Sui-Generalkommandant von Yingzhou, hielt sie auf und schlug sie zurück.
Kaiser Wen von Sui geriet in großen Zorn und schickte seinen Sohn Yang Liang, den Prinzen von Han, und andere mit 300.000 Mann zu Land und zu Wasser gegen Goguryeo.
Der Sommerregen schnitt die Nachschubwege ab, und eine Seuche brach aus. Auch von den Schiffen, die den Seeweg nahmen, sanken viele im Sturm.
Schieben!
ist alle, heißt es.
Im neunten Monat zog das Sui-Heer ab. Acht oder neun von zehn Mann waren tot.
Auch König Yeongyang bekam es mit der Angst zu tun; er schickte einen Gesandten, entschuldigte sich und erniedrigte sich selbst zum „Mist-und-Erde-Untertan von Liaodong“ (einem Untertan, so gering wie die verrottete Erde Liaodongs). Kaiser Wen zog seine Truppen zurück und behandelte ihn wie zuvor.
Neun Jahre später brach Kaiser Wens Sohn, Kaiser Yang,
in die nördliche Steppe auf.
Als Kaiser Yang 607 das Zelt von Qimin Khagan der Göktürken besuchte, war gerade ein Gesandter aus Goguryeo dort.
er soll eilends kommen und huldigen.
ziehen wir mit Qimin
in euer Land!
Qimin wagte nicht, den Gesandten zu verstecken, und trat mit ihm vor den Kaiser.
Als der Gesandte diese Worte überbrachte, fürchtete sich König Yeongyang. Doch er ging nicht nach Sui.
wird kommen.
die Abwehr
beizeiten rüsten.
Das Samguk Sagi beschreibt Eulji Mundeok als besonnen und standhaft, listenreich und des Schreibens kundig. Seine Herkunft sei unbekannt, heißt es dort.
611 verkündete Kaiser Yang den Feldzug gegen Goguryeo und zog die Truppen des ganzen Reiches in der Zhuo-Kommandantur (nahe dem heutigen Peking) zusammen.
Im ersten Monat 612 erging ein weiteres kaiserliches Edikt.
Das elende Gesindel von Goguryeo
ist töricht und unbotmäßig.
高句麗小醜 迷昏不恭 — Samguk Sagi, König Yeongyang, 23. Jahr
Laut dem Samguk Sagi zählte das versammelte Heer 1.133.800 Mann – man sprach von zwei Millionen –, und die Träger des Proviants waren doppelt so viele.
in Pjöngjang!
Jeden Tag brach eine Armee auf, im Abstand von 40 Li, und es dauerte 40 Tage, bis alle unterwegs waren. Die Banner reichten 960 Li weit.
Kaiser Yangs Hauptheer zog gegen die Festung Liaodong, die neun Armeen überquerten den Yalu in Richtung Pjöngjang, und die Flotte nahm über das Meer Kurs auf Pjöngjang.
Das Sui-Heer erreichte den Liaoshui (heute Liao-Fluss). Das Heer von Goguryeo verteidigte den Fluss.
ist zu kurz!
Die drei Pontonbrücken der Sui endeten gut eine Mannslänge vor dem anderen Ufer.
Nach zwei Tagen hatten die Sui die Brücken verlängert; das Heer von Goguryeo erlitt eine schwere Niederlage, und die Festung Liaodong wurde eingeschlossen. Kaiser Yang hatte befohlen: „In allen Dingen erst Meldung machen und abwarten.“
Wir ergeben uns!
dem Kaiser!
Bis die Antwort kam, hatte die Festung ihre Verteidigung längst wieder geordnet. Das wiederholte sich zwei-, dreimal.
Kaiser Yang rief seine Generäle zu sich und überhäufte sie mit Vorwürfen.
und nehmt mich nicht ernst?!
und euch die Köpfe abzuschlagen!
Die Generäle wurden vor Angst alle kreidebleich.
Um diese Zeit überquerte die Sui-Flotte unter Lai Hu’er das Meer und lief in den Paesu (Taedong-Fluss) ein.
bis die anderen Armeen kommen!
zu warten!
Auf nach Pjöngjang!
Seine Schiffe reihten sich über Hunderte Li. Gerade hatte er 60 Li vor der Festung Pjöngjang ein Heer von Goguryeo vernichtend geschlagen.
Lai Hu’er wählte Zehntausende seiner besten Soldaten aus und stieß geradewegs bis an den Fuß der Festung Pjöngjang vor.
auf Pjöngjangs Boden setzen!
Chinesische Quellen berichten, König Yeongyangs jüngerer Bruder Geonmu habe in dieser Schlacht mehrere Hundert Todesmutige angeführt.
Ein Goguryeo-General versteckte Soldaten in einem leeren Tempel innerhalb der Außenmauer, zog dann hinaus in den Kampf und wich zurück, als sei er geschlagen.
Nehmt alles mit!
Als der Hinterhalt losschlug, erlitt Lai Hu’er eine schwere Niederlage und kam knapp mit dem Leben davon. Nur wenige Tausend seiner Männer kehrten lebend zurück.
Unterdessen sammelten sich die neun Armeen von Yuwen Shu, Yu Zhongwen und anderen, die beim Überqueren des Liaoshui 305.000 Mann gezählt hatten, westlich des Yalu.
wird geköpft!
Jeder Soldat trug Proviant für 100 Tage, dazu Rüstung und Speer, Stoff und Zelt. Die Last eines Mannes betrug über 3 Seok.
Die Soldaten, die ihre Last nicht tragen konnten, hoben heimlich Gruben in ihren Zelten aus und vergruben den Reis.
Als sie den halben Weg hinter sich hatten, ging der Proviant schon zur Neige.
kommen wir nicht weiter…
sind wir den Kopf los.
König Yeongyang schickte Eulji Mundeok ins Sui-Lager, um sich zum Schein zu ergeben.
und erkundet,
wie es um sie steht.
In Wahrheit sollte er die Lage des Feindes auskundschaften.
Eulji Mundeok überquerte den Yalu und ging geradewegs ins Sui-Lager.
überall Speere…
Und schau genau hin.
Yu Zhongwen hatte vorab einen geheimen Befehl des Kaisers erhalten: „Kommt der König oder Eulji Mundeok, so nehmt ihn unbedingt gefangen.“
diesen Mann!
um sich zu ergeben!
Da Liu Shilong beharrlich widersprach, ließ Yu Zhongwen Eulji Mundeok gehen.
Bald bereute Yu Zhongwen es und schickte jemanden, der Eulji Mundeok zurückrufen sollte.
kommt zurück!
sie rufen Euch.
Ohne sich umzusehen, überquerte Eulji Mundeok den Yalu und kehrte zurück.
Die beiden Generäle, die Eulji Mundeok hatten entkommen lassen, waren beunruhigt.
Wir müssen umkehren.
kleiner Feind besiegt –
wie treten wir
vor den Kaiser?
Da der Kaiser befohlen hatte, Yu Zhongwens Kommando zu folgen, blieb Yuwen Shu nichts anderes übrig, als den Yalu zu überqueren und Eulji Mundeok nachzusetzen.
Eulji Mundeok sah, dass die Sui-Soldaten hungerten, und ergriff in jedem Gefecht die Flucht, um sie zu zermürben.
weichen schon wieder?
Lass sie gewinnen.
An einem einzigen Tag kämpfte Yuwen Shus Heer siebenmal – und siegte siebenmal.
Berauscht von Sieg um Sieg überquerte das Sui-Heer den Salsu und schlug 30 Li vor der Festung Pjöngjang auf einem Berg sein Lager auf.
Eulji Mundeok schrieb ein Gedicht und schickte es Yu Zhongwen.
schreibt Ihr ein Gedicht?
Das Gedicht, das Eulji Mundeok an Yu Zhongwen schickte
Euer wundersamer Plan ergründet die Ordnung des Himmels,
Euer feines Kalkül durchdringt die Ordnung der Erde.
Eure Siege haben Euch schon hohen Ruhm gebracht –
erkennt, wann es genug ist, und haltet ein, ich bitte Euch.
神策究天文 妙算窮地理 戰勝功旣高 知足願云止 — Samguk Sagi, Biographien, Eulji Mundeok
und haltet ein“?
Yu Zhongwen schickte eine Antwort und wies Eulji Mundeok zurecht.
Eulji Mundeok schickte erneut einen Gesandten und ergab sich zum Schein.
bringen wir unseren König
zum Kaiser, um zu huldigen.
und jene Festung ist schwer zu nehmen.
Yuwen Shu nahm diese Worte zum Vorwand und ließ sein Heer umkehren.
Das Sui-Heer bildete ein Karree und zog sich zurück.
die Formation!
Da das Heer von Goguryeo von allen Seiten angriff, mussten sie sich kämpfend zurückziehen.
Im siebten Monat 612 erreichte das zurückweichende Sui-Heer den Salsu.
Als das Heer den Fluss zur Hälfte durchquert hatte—
Angriff!
Das Heer von Goguryeo fiel der Sui-Nachhut in den Rücken.
Der Sui-General Xin Shixiong fiel im Kampf. Die Armeen brachen alle zugleich zusammen, und nichts konnte die Flucht aufhalten.
Die Überlebenden flohen einen Tag und eine Nacht lang und erreichten den Yalu. Es war ein Weg von 450 Li.
Als sie den Liaoshui überquert hatten, zählten die neun Armeen 305.000 Mann.
Zur Festung Liaodong zurück kamen
2.700 Mann.
Samguk Sagi, König Yeongyang, 23. Jahr
und haltet ein, ich bitte Euch.
wann man aufhört…
wir haben gesiegt.
Die Wellen des Salsu glätteten sich wieder.
Kaiser Yang ließ Yuwen Shu und die anderen in seinem Zorn in Ketten legen, zog sein Heer ab und kehrte heim.
Alles, was Sui in diesem Krieg gewann, war Muryeora, eine kleine Goguryeo-Festung westlich des Liaoshui.
und nur 2.700 zurück?!
613 fiel Kaiser Yang erneut ein und berannte die Festung Liaodong über 20 Tage lang Tag und Nacht. Doch dann erhob sich in Sui selbst Yang Xuangan zum Aufstand.
still.
Bleibt drinnen!
Kaiser Yang hatte sein Heer mitten in der Nacht heimlich abziehen lassen. Das Heer von Goguryeo witterte eine List und nahm erst nach zwei Tagen die Verfolgung auf.
614 bot Kaiser Yang zum dritten Mal ein Heer auf. Doch in Sui herrschte schon überall Aufruhr, und die einberufenen Truppen kamen nicht rechtzeitig.
Als Lai Hu’er, der über das Meer gekommen war, das Heer von Goguryeo bei der Festung Bisa schlug und auf Pjöngjang vorrücken wollte, schickte König Yeongyang einen Gesandten, bot die Unterwerfung an und lieferte Husi Zheng aus, der aus Sui nach Goguryeo geflohen war.
Kaiser Yang war zufrieden und zog sein Heer ab.
Zurück in seiner Hauptstadt, befahl Kaiser Yang König Yeongyang erneut, an seinen Hof zu kommen und zu huldigen.
König Yeongyang ging nie.
Danach rissen die Aufstände überall in Sui nicht mehr ab.
618 kam Kaiser Yang in Jiangdu (heute Yangzhou) durch die Hand seiner eigenen Gefolgsleute ums Leben, und die Sui-Dynastie zerfiel.
Im Herbst desselben Jahres starb auch König Yeongyang von Goguryeo. Den Thron bestieg sein Halbbruder Geonmu.
Wie Eulji Mundeok danach lebte, ist nicht überliefert. Kim Bu-sik schrieb im Samguk Sagi:
Dass das große Sui-Heer fast vollständig vernichtet wurde,
war das Werk eines einzigen Mannes: Eulji Mundeok.
滅其軍幾盡者 文德一人之力也 — Samguk Sagi, Biographien, Eulji Mundeok


