Nach Sabi, dann zur Festung Gwansan
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Auf einer Steintafel in dem Ziegelgrab, das 1971 in Songsan-ri bei Gongju zutage kam, stand der Name „König Sama von Baekje“ – also König Muryeong. Muryeong, der 501 den Thron bestiegen hatte, schlug den Aufstand des Baek Ga nieder und trieb Goguryeo mehrmals zurück; so richtete er das nach dem Verlust von Hanseong wankende Baekje wieder auf. Als der König 523 starb, bestieg sein Sohn Myeongnong den Thron und bestattete den Vater in einem Grab aus Ziegeln mit Lotosmuster.
Figuren
Sohn von König Muryeong
Der spätere König Wideok
Ihr Name ist nicht überliefert
(Rückblende)
Jüngster Sohn des letzten Königs von Geumgwan
Gogan im Kreis Samnyeonsan
Im siebten Monat 554. Ein Bergpfad tief in der Nacht.
Der König von Baekje eilte mit nur fünfzig Mann durch die Dunkelheit.
Wer war dieser König, und warum war er in dieser Nacht unterwegs?
Die Geschichte beginnt einunddreißig Jahre zuvor
in Ungjin, der Hauptstadt von Baekje.
Im fünften Monat 523 starb König Muryeong, und sein Sohn Myeongnong bestieg den Thron.
Das Samguk Sagi hielt fest, er sei von herausragender Klugheit und Einsicht gewesen und habe entschlossen gehandelt, weshalb ihn die Menschen im Reich „König Seong“ nannten – den „weisen König“.
Im zehnten Monat 529, im siebten Jahr seiner Herrschaft, fiel König Anjang von Goguryeo persönlich an der Spitze seines Heeres ein und nahm die Festung Hyeol an der Nordgrenze.
Jwapyeong Yeon Mo stellte sich ihm mit 30.000 Mann entgegen,
doch er unterlag auf der Ebene von Ogok, und über 2.000 Mann fielen.
Ungjin, die Hauptstadt, in die man nach dem Verlust Hanseongs 475 eilig umgezogen war, lag auf einem schmalen Landstreifen zwischen Bergen und Fluss.
Der König träumte von einer neuen Hauptstadt: Sabi, eine weite Ebene weiter flussabwärts am Geum-Fluss.
Sabi: ein Land, in dem der Geum-Fluss einen niedrigen Berg umschlang und sich davor eine weite Ebene erstreckte.
Auf dem Busosan entstand eine Festung, darunter nach und nach Paläste, Tempel und breite Straßen.
Im Frühling 538 verlegte Baekje endlich seine Hauptstadt nach Sabi.
Das Königshaus von Baekje sah seinen Ursprung in Buyeo. In der neuen Hauptstadt gab der König seinem Reich den Namen „Nambuyeo“ – Süd-Buyeo.
Sabi war von Anfang an als Hauptstadt geplant worden. Im Norden und Osten umschloss sie eine lange Erdmauer, der Naseong.
541 bat König Seong das Reich Liang jenseits des Meeres, ihm einen Gelehrten für das Buch der Lieder, Kommentare zu buddhistischen Schriften wie dem Nirvana-Sutra sowie Handwerker und Maler zu schicken.
Liang erfüllte die Bitte.
Als Goguryeo im ersten Monat 548 zusammen mit den Ye die Baekje-Festung Doksan angriff, bat König Seong den Verbündeten Silla um Hilfe. Der Silla-General Ju Jin eilte mit 3.000 gepanzerten Kriegern Tag und Nacht herbei und schlug das Heer von Goguryeo vernichtend.
Im ersten Monat 550 nahm Baekje die Goguryeo-Festung Dosal ein. Im dritten Monat griff Goguryeo die Baekje-Festung Geumhyeon an.
Da nutzte Silla die Erschöpfung beider Heere
und nahm beide Festungen für sich ein.
551 griffen Baekje und Silla gemeinsam Goguryeo an.
Baekje nahm sein altes Land am Unterlauf des Han ein, Silla die zehn Kreise am Oberlauf jenseits des Jungnyeong-Passes.
Endlich betrat das Heer von Baekje das Land von Hanseong, seiner alten Hauptstadt am Han-Fluss.
Das Land, das 475 mit dem Tod König Gaeros verloren gegangen war, hatten sie nach sechsundsiebzig Jahren zurückgewonnen.
König Seongs Vater, König Muryeong, hatte einst an Liang geschrieben: „Baekje ist wieder ein starkes Land geworden.“
Im siebten Monat 553 entriss Silla Baekje dessen Nordostgrenze – das Land am Unterlauf des Han – und richtete dort die Provinz „Sinju“ ein.
Eine dringende Nachricht erreichte den Palast von Sabi. An der Seite des Königs stand sein ältester Sohn Chang.
So zerbrach das Bündnis der beiden Reiche, das fast 120 Jahre gehalten hatte.
Im zehnten Monat 553 wurde König Seongs Tochter nach Silla verheiratet.
Drei Monate zuvor hatte Silla Baekje das Land am Han genommen. Warum der König seine Tochter fortschickte, ist nirgends überliefert.
Sillas Aufzeichnungen vermerkten, dass König Jinheung im zehnten Monat jenes Jahres die Tochter des Königs von Baekje als „Nebenkönigin“ (Sobi) zur Frau nahm.
Im siebten Monat 554 griff Baekje zusammen mit Gaya die Silla-Festung Gwansan an.
Sillas Militärgouverneur, Gakgan Udeok, und Ichan Tamji leisteten Widerstand, doch die Schlacht verlief ungünstig für Silla.
Als Kim Mu-ryeok, der Militärgouverneur von Sinju, davon erfuhr, eilte er mit den Truppen von Sinju zur Festung Gwansan.
Die Festung Gwansan war eine Festung Sillas östlich von Sabi, den Geum-Fluss hinauf.
Anfangs schien sich die Schlacht zugunsten Baekjes zu neigen.
Und dann kam jene Nacht im siebten Monat 554.
Das Samguk Sagi hielt fest, dass der König, um Silla anzugreifen, mit nur fünfzig Fußsoldaten und Reitern bei Nacht Gucheon erreichte.
Jenseits des Bachs lagen in der Dunkelheit Silla-Soldaten verborgen.
Der Hinterhalt Sillas schlug zu.
Die Aufzeichnungen Baekjes hielten über das Ende des Königs nur dies fest.
Der König wurde im wirren Kampfgetümmel
von Soldaten getötet.
為亂兵所害薨 — Samguk Sagi, Annalen von Baekje, König Seong, 32. Jahr (554)
Der Tag brach an. Am Bach irrten nur noch herrenlose Pferde umher.
Sillas Aufzeichnungen zufolge tötete Dodo, Gogan im Kreis Samnyeonsan und Adjutant von Kim Mu-ryeok, den König von Baekje.
Ohne seinen König brach das Heer von Baekje zusammen.
Nach Sillas Aufzeichnungen verloren in dieser Schlacht vier Jwapyeong von Baekje und 29.600 Soldaten ihr Leben.
Vor dem Stadttor von Sabi warteten die Menschen auf die, die nicht zurückkehren würden.
Sillas Aufzeichnungen fügten hinzu: „Nicht ein einziges Pferd kehrte heim.“
König Seongs ältester Sohn Chang bestieg den Thron. Später nannte man ihn „König Wideok“.
Wie die Prinzessin, die nach Seorabeol verheiratet worden war, die Nachricht über ihren Vater erhielt, ist nirgends überliefert.
Sabi, die Hauptstadt, die König Seong gegründet hatte, blieb danach über 120 Jahre lang die Hauptstadt von Baekje.
Der zurückgewonnene Han ging wieder verloren,
doch die Hauptstadt am Fluss blieb.