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Folge 8Die Brücke aus Fischen und Schildkröten
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Folge 8

Die Brücke aus Fischen und Schildkröten

Die Gründung Goguryeos · 37 v. Chr.
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🎧 Mit Ton wird es noch lebendiger.
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Was bisher geschah

Jumong, geboren aus einem Ei, das Yuhwa, die Tochter des Wassergottes Habaek, gelegt hatte, wuchs zum besten Bogenschützen von Buyeo heran. Als die neidischen Söhne von König Geumwa ihm nach dem Leben trachteten, folgte Jumong dem Rat seiner Mutter und verließ Buyeo mit drei Freunden.

Figuren

JumongMeisterschütze,
aus einem Ei geboren
YuhwaJumongs Mutter.
Blieb in Buyeo zurück
SongyangKönig des benachbarten Biryu.
Seine Familie herrschte seit Generationen
Frau YeJumongs Frau,
die er in Buyeo heiratete
YuriJumongs Sohn,
in Buyeo aufgewachsen

Die Brücke aus Fischen und Schildkröten

Die Gründung Goguryeos, wie sie das Samguk Sagi und die Gwanggaeto-Stele überliefern

Soldaten aus Buyeo jagten Jumong mit Fackeln hinterher.

Yuhwa, seine MutterGeh weit fort
und vollbringe Großes.
OiFreund, der mit Jumong ging
OiEin Fluss!
Und keine Brücke weit und breit!
JumongIch bin der Sohn des Himmelskönigs,
der Enkel Habaeks!
Meine Verfolger sind ganz nah.
Was soll ich tun?

Da stiegen Fische und Schildkröten in Reihen aus dem Fluss auf und bildeten eine Brücke.

Kaum waren Jumong und seine Gefährten drüben, zerstreuten sich die Fische und Schildkröten und verschwanden im Wasser.

VerfolgerDie Brücke…
ist weg!

Die Verfolger konnten am Ufer nur mit den Füßen stampfen; über den Fluss kamen sie nicht.

Laut dem „Lied von König Dongmyeong“ rastete Jumong nach der Überquerung des Flusses unter einem großen Baum, als er einem Taubenpaar begegnete. Die Tauben trugen Gerstensamen bei sich.

Mutter hat mir Gerstensamen geschickt.

Einige Tage später, in Modungok, traten drei ärmlich gekleidete Männer vor Jumong.

JaesaHanfkleidungMugolSteppgewandMukgeoBinsenkleid
JumongGerade als ich ein Reich gründen will,
treffe ich drei würdige Männer.
Der Himmel selbst
hat euch gesandt!

Jumong verlieh den drei Männern die Familiennamen Geuk, Jungsil und Sosil und gab jedem eine Aufgabe, die seinen Fähigkeiten entsprach.

Mit den drei Männern ging es weiter nach Süden.

37 v. Chr.

Jumong war
zweiundzwanzig Jahre alt.

Endlich erreichten sie den Jolbon-Fluss.

JumongDer Boden ist fruchtbar,
Berge und Flüsse sind unwegsam.
Hier errichten wir
unsere Hauptstadt!

Da keine Zeit blieb, einen Palast zu bauen, lebte Jumong in einer Strohhütte am Biryu-Fluss.

JumongDas Reich soll
„Goguryeo“ heißen!
Das Königshaus heiße „Go“ (高) –
das bedeutet „hoch“!

Als sich die Nachricht verbreitete, strömten von überall Menschen herbei.

Die MengeEin neues Reich, hieß es –
und es stimmt wirklich!

Als die benachbarten Malgal begehrliche Blicke auf das Land warfen, schlug Jumong sie zurück.

Eines Tages sah Jumong Gemüseblätter den Biryu-Fluss herabtreiben.

JumongFlussaufwärts
leben Menschen.

Als er dem Fluss stromaufwärts folgte, gelangte er in das Reich Biryu. Dessen König Songyang kam heraus, um Jumong zu empfangen.

SongyangMeine Familie stellt hier
seit Generationen die Könige.
Das Land ist zu klein für zwei Könige.
Unterstellt Euch mir.
JumongIch bin ein Nachfahre des Himmelskönigs.
Ich unterstelle mich
niemandem!

Nach einem Wortgefecht beschlossen die beiden Könige, ihr Können mit dem Bogen zu messen.

Songyangs Pfeil verfehlte den Nabel eines gemalten Hirsches, der keine hundert Schritt entfernt aufgestellt war.

Jumong ließ einen Jadering in über hundert Schritt Entfernung aufhängen und zerschoss ihn mit einem einzigen Pfeil.

SongyangWas?! Einen Jadering
auf über hundert Schritt…!

Im Sommer des folgenden Jahres ergab sich Songyang mitsamt seinem Reich.

JumongDieses Land nenne ich „Damul-do“.
„Damul“ heißt in unserer Sprache:
Das alte Land ist zurückgewonnen.

Jumong ließ Songyang das Land weiter regieren.

Im Frühling darauf, so heißt es, erschien in Gollyeong ein gelber Drache und im Herbst glückverheißende Wolken.

Im Herbst 34 v. Chr. waren Mauern und Palast endlich errichtet.

In den neunzehn Jahren von Jumongs Herrschaft breitete sich Goguryeo über Berge und Täler in alle Richtungen aus.

YaluTumenBerg Taebaek (Baekdu)Jumongs WegJolbonHauptstadt 37 v. Chr.Damul-doEinstiges Biryu · 36 v. Chr.Haengin32 v. Chr.Nord-Okjeo28 v. Chr.Festung GungnaeHauptstadt ab 3 n. Chr.BuyeoHanGelbes MeerOstmeerDaten: Samguk Sagi · Lage ungefähr

Jumongs Mutter Yuhwa, die in Buyeo zurückgeblieben war, starb in Ost-Buyeo.

GeumwaKönig von Ost-Buyeo
GeumwaYuhwa…
ruht in Frieden.

König Geumwa bestattete Yuhwa mit den Ehren, die einer Königsmutter gebühren, und ließ ihr sogar einen Schrein errichten.

JumongKönig von Goguryeo
YuhwaGeh weit fort
und vollbringe Großes.

Auf den Feldern, wo die Samen seiner Mutter golden gereift waren, blickte der König lange zum Nordhimmel.

Im zehnten Monat jenes Jahres schickte Jumong Gesandte mit kostbaren Gaben nach Buyeo, um sich für dessen Güte zu bedanken.

JumongDieses Reich wollte mir schaden,
doch es hat meine Mutter beschützt –
dafür schulde ich ihm Dank.

Zur selben Zeit in Ost-Buyeo.

Dort wuchs ein Junge auf, der das Gesicht seines Vaters nie gesehen hatte.

Sein Name war Yuri.

Yuri spielte gern auf der Straße und schoss nach Spatzen.

YuriWächst ohne Vater auf
WasserträgerinAch je, mein Wasserkrug!
Vaterloser Bengel –
darum so ungezogen!
Du meine Güte…!

Es heißt, Yuri formte eine Kugel aus Lehm, schoss erneut und stopfte das Loch so, dass nichts mehr davon zu sehen war.

Frau YeYuris Mutter
YuriMutter, wer ist mein Vater,
und wo ist er?
MutterDein Vater ist kein gewöhnlicher Mann.
Er zog nach Süden, gründete ein Reich
und wurde König.

In der Nacht, in der er Buyeo verließ, schärfte Jumong seiner schwangeren Frau ein, seine Worte unbedingt weiterzugeben, falls sie einen Sohn gebäre.

JumongUnter einer Kiefer auf einem siebeneckigen Stein
habe ich etwas versteckt.
Wer es findet, ist mein Sohn.

Tag für Tag streifte Yuri durch Berge und Täler auf der Suche nach einem siebeneckigen Stein und einer Kiefer.

YuriSo viele kantige Steine,
so viele Kiefern…

Doch er fand nichts.

Eines Tages, als Yuri erschöpft heimgekehrt war und auf dem Holzboden saß, hörte er unter einem Pfeiler ein Geräusch.

YuriEin Geräusch…
unter dem Pfeiler?
YuriSieben…
Ecken?
Auf einem siebeneckigen Stein…
ein Kiefernpfeiler!
YuriDas Schwert…
das Vater zurückließ.

Als er unter dem Pfeiler grub, kam ein Stück eines zerbrochenen Schwertes zum Vorschein.

Mit seinen drei Freunden Okji, Guchu und Dojo brach Yuri nach Jolbon auf und nahm seine Mutter mit.

In seinem Gewand verborgen: das Stück eines zerbrochenen Schwertes.

In Jolbon angekommen, kniete Yuri vor dem König nieder und hob das Schwertstück mit beiden Händen empor.

JumongDieses Schwertstück…
woher hast du es?
YuriIch fand es unter einem Kiefernpfeiler
auf einem siebeneckigen Stein.

Der König zog ein Schwertstück aus seinem Gewand. Als man die beiden Stücke aneinanderlegte, wurden sie zu einem einzigen Schwert.

JumongDu bist also…
mein Sohn.
YuriVater…!

Im vierten Monat jenes Jahres machte Jumong Yuri zum Kronprinzen.

Doch Vater und Sohn blieb nicht viel gemeinsame Zeit.

Im neunten Monat jenes Jahres
starb Jumong mit vierzig Jahren.

Die Gwanggaeto-Stele erzählt: Der Himmel sandte einen gelben Drachen herab, und der König stieg auf dessen Kopf zum Himmel empor.

JumongYuri,
regiere das Reich mit Rechtschaffenheit.
YuriKronprinz

Die Menschen nannten ihn „König Dongmyeong“.

Laut dem „Lied von König Dongmyeong“ begrub Yuri die Jadepeitsche, die sein Vater hinterlassen hatte, in Yongsan.

JumongDu bist also…
mein Sohn.

Fünf Monate.

Mehr Zeit war Vater und Sohn
nicht vergönnt.

Fünf Monate zuvor,
in der Nacht, als Yuri Kronprinz wurde.
Zwei Brüder auf der Stadtmauer.

BiryuÄlterer BruderOnjoJüngerer Bruder
BiryuDieses Reich gehört nun…
Yuri.
OnjoBruder…

Es waren Biryu und Onjo, zwei Prinzen, die in Jolbon aufgewachsen waren.

In jener Nacht gingen die beiden Brüder zu ihrer Mutter Soseono.

Ihre Geschichte
wird zu einem weiteren Reich.

Ende von Folge 8

Geschichtsnotizen

Die Szenen dieser Geschichte wurden auf Grundlage der folgenden Quellen und Fundstätten gezeichnet.

  1. Gwanggaeto-SteleGwanggaeto-Stele · Ji’an, Provinz Jilin, China

    König Chumo auf der Gwanggaeto-Stele

    Diese 6,39 Meter hohe Stele steht in Ji’an in der chinesischen Provinz Jilin. König Jangsu errichtete sie 414, um die Taten seines Vaters König Gwanggaeto des Großen zu ehren, und die Inschrift beginnt mit der Geschichte des Gründers König Chumo, also Jumong. Auf der Stele gelangt König Chumo an einen großen Fluss namens Eomni Daesu und überquert ihn, nachdem er gerufen hat: „Für mich – verknüpft das Schilf, lasst die Schildkröten auftauchen!“ Das Samguk Sagi nennt diesen Fluss „Eomsasu“ und berichtet, Fische und Schildkröten hätten eine Brücke gebildet – ein kleiner Unterschied. Am Ende steigt er auf dem Kopf eines gelben Drachen zum Himmel auf und trägt seinem Erben, König Yuryu (König Yuri), auf, das Reich mit Rechtschaffenheit zu regieren.

    Gwanggaeto-Stele
  2. Der Berg Wunü (Bergfestung Wunü)Berg Wunü · Huanren, Provinz Liaoning, China

    Jolbon und die Bergfestung Wunü

    Jolbon, die erste Hauptstadt Goguryeos, vermutet man in der Gegend des heutigen Huanren in der chinesischen Provinz Liaoning. Der Berg Wunü dort ist größtenteils von steilen Klippen umgeben, und sein über 800 Meter hoher Gipfel ist flach. Die Gwanggaeto-Stele berichtet, Jumong habe „auf dem Berg westlich von Holbon eine Festung gebaut und dort seine Hauptstadt gegründet“, und viele Fachleute halten diesen Berg für jenen Ort. 2004 wurde die Bergfestung Wunü zusammen mit der Festung Gungnae, der Bergfestung Hwando und den Gräbern Goguryeos UNESCO-Welterbe.

    Gwanggaeto-Stele
  3. Jede Quelle erzählt die Gründung anders

    Das Samguk Sagi überliefert noch eine andere Version: Der König von Jolbon Buyeo nahm Jumong zum Schwiegersohn, und als der König starb, wurde Jumong sein Nachfolger. Außerdem war „Goguryeo“ ein alter Name für die Menschen dieser Gegend – in der Xuantu-Kommandantur der Han gab es nämlich schon einen „Kreis Goguryeo“.

    Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo · Buch der Han, „Abhandlung über die Geographie“
  4. Was das „Lied von König Dongmyeong“ noch erzählt

    Das „Lied von König Dongmyeong“, ein Epos, das Yi Gyu-bo aus Goryeo 1193 verfasste, erzählt viel mehr Szenen als das Samguk Sagi. Dass die beiden Könige sich im Bogenschießen maßen und Songyang unterlag, steht auch im Samguk Sagi, doch der gemalte Hirsch und der Jadering stammen aus diesem Gedicht. Es berichtet auch von Listen: Der Gefolgsmann Bu Bun-no holte heimlich Biryus Trommeln und Hörner, damit der König mit gebührender Würde auftreten konnte, und Jumong ließ Pfeiler aus morschem Holz errichten, damit sein Palast alt aussah. Wie der kleine Yuri das Loch im Wasserkrug mit einer Lehmkugel stopfte und wie er die Jadepeitsche seines Vaters in Yongsan begrub, erzählt ebenfalls dieses Gedicht.

    Yi Gyu-bo, „Lied von König Dongmyeong“ · Samguk Sagi
  5. Damul – das alte Land zurückgewinnen

    Als Songyang sich 36 v. Chr. ergab, nannte Jumong dessen Land Damul-do und ließ Songyang es weiter regieren. „Damul“ bedeutete in der Sprache Goguryeos „das alte Land zurückgewinnen“ – die Ausdehnung des Reiches galt also nicht als „Wegnehmen“, sondern als „Zurückholen“. Später eroberten 32 v. Chr. Oi und Bu Bun-no das Land Haengin südöstlich des Berges Taebaek und 28 v. Chr. Bu Wi-yeom Nord-Okjeo und machten sie zu Gebieten Goguryeos. Und in den 1920er-Jahren, als Korea seine Souveränität verloren hatte, nannte sich eine in China tätige Gruppe der Unabhängigkeitsbewegung „Damuldan“.

    Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo
  6. Mauerecke der Festung GungnaeMauerecke der Festung Gungnae · Ji’an, Provinz Jilin, China

    König Yuri und die Festung Gungnae

    Yuri folgte seinem Vater als zweiter König Goguryeos nach: König Yuri. Laut Samguk Sagi verlegte König Yuri im Jahr 3 n. Chr. die Hauptstadt in die Festung Gungnae, das heutige Ji’an in der chinesischen Provinz Jilin. Die Steinmauer auf dem Foto wurde vermutlich erst später neu errichtet. Die Festung Gungnae blieb über 400 Jahre lang das Zentrum Goguryeos – bis König Jangsu die Hauptstadt 427 nach Pjöngjang verlegte.

    Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo
  7. Die Menschen Goguryeos im 3. Jahrhundert

    Das chinesische Geschichtswerk Chroniken der Drei Reiche beschreibt das Leben der Menschen Goguryeos um das 3. Jahrhundert so: Weil es viele hohe Berge und tiefe Täler gab, war gutes Ackerland selten, und jeder Haushalt bewahrte sein Getreide sparsam in einem kleinen Speicher namens „Bugyeong“ auf. Im zehnten Monat kamen die Menschen aus dem ganzen Reich zum großen Fest „Dongmaeng“ zusammen, bei dem man dem Himmel opferte, und wurde eine Heirat vereinbart, baute man hinter dem Haus der Braut ein kleines Haus, das „Seook“. Dort lebte der Bräutigam, und erst wenn das Kind herangewachsen war, kehrte er mit seiner Frau in sein eigenes Haus zurück.

    Chroniken der Drei Reiche, Buch der Wei, „Bericht über die östlichen Völker“

Schlüsselbegriffe dieser Folge

Nächste Folge

Folge 9 · Zwei Brüder ziehen nach Süden

Der ältere Biryu nach Michuhol am Meer, der jüngere Onjo nach Wiryeseong am Han-Fluss. Die beiden Brüder wählten verschiedene Länder. Der Anfang Baekjes wartet.

Bildnachweis

Alle Illustrationen dieses Webtoons sind neu gezeichnet; Namen und Dialoge der Figuren sind auf Grundlage historischer Fakten und Forschungsergebnisse frei nachgestaltet. Datierungen und Deutungen folgen der in der Forschung üblichen Darstellung; wo die Meinungen auseinandergehen, sagen es die Geschichtsnotizen.