‹ Übersicht
Folge 7Der Meisterschütze aus dem Ei
DE
Folge 7

Der Meisterschütze aus dem Ei

Buyeo und Jumong · 1. Jahrhundert v. Chr.
Nach unten scrollen ↓
🎧 Mit Ton wird es noch lebendiger.
In jeder Szene klingen Wind, Lagerfeuer und Fluss anders, und die Musik folgt dem Lauf der Geschichte.
Was bisher geschah

Fast ein Jahr lang hatte die Festung Wanggeom dem großen Heer der Han standgehalten. Als sie 108 v. Chr. fiel, ging Gojoseon zu Ende. Doch auf den weiten Ebenen im Norden lebten andere Reiche wie Buyeo weiter.

Figuren

YuhwaTochter des Wassergottes Habaek.
Sie erzählt diese Geschichte
JumongYuhwas Sohn.
Ein guter Bogenschütze
König GeumwaKönig von Ost-Buyeo.
Nahm Yuhwa bei sich auf
DaesoKönig Geumwas ältester Sohn
HaemosuNannte sich selbst Sohn
des Himmelskönigs

Zu der Zeit, als Gojoseon fiel, lag im Norden auf den weiten Ebenen am Songhua-Fluss das Reich Buyeo.

Auch dieses Jahr sind die
fünf Getreide gut gereift!

Die Menschen von Buyeo trugen gern Weiß. Sie bestellten die Felder und züchteten Pferde und Rinder.

Im zwölften Monat kamen die Menschen aus dem ganzen Reich zusammen, brachten dem Himmel Opfer dar und aßen, tranken, sangen und tanzten tagelang.

TrommlerYeonggo! Schlagt die Trommeln,
wir empfangen den Himmel!

Dieses Fest hieß „Yeonggo“. An diesem Tag ließ man sogar die Gefangenen frei.

In diesem Land Buyeo gab es eine Geschichte, die seit alters überliefert wurde.

Die Geschichte eines Kindes, das aus einem Ei geboren wurde,
und seiner Mutter.

Die Sage von Jumong

Die Geschichte des Gründers von Goguryeo, wie sie das Samguk Sagi und Yi Gyu-bos „Lied von König Dongmyeong“ überliefern

Vor langer Zeit lebte Haeburu, ein alter König ohne Sohn. Eines Tages sah sein Pferd einen großen Stein am Teich und vergoss Tränen.

HaeburuEin Sohn – ein Geschenk
des Himmels!

Unter dem Stein lag ein Kind, das wie ein goldener Frosch aussah. Der König nannte es „Geumwa“ (Goldfrosch) und zog es auf.

Später drängte der oberste Minister Aranbul darauf, die Hauptstadt zu verlegen – es sei der Wille des Himmels.

Haeburu zog nach Gaseobwon an der Ostküste und nannte sein Reich „Ost-Buyeo“. Nach seinem Tod bestieg Geumwa den Thron.

Und in der alten Hauptstadt, die sie verlassen hatten,
erschien ein Mann, der sich Sohn des Himmelskönigs nannte.

HaemosuNannte sich Sohn des Himmelskönigs
HaemosuIch bin der Sohn
des Himmelskönigs!

Laut dem „Lied von König Dongmyeong“ kam er in einem Wagen herab, den fünf Drachen zogen.

YuhwaIch bin Yuhwa, die Tochter des Wassergottes Habaek. Eines Tages, als ich mit meinen jüngeren Schwestern zum Spielen ans Wasser ging, begegnete ich ihm.

YuhwaHabaeks Tochter
HaemosuIch bin der Sohn
des Himmelskönigs.

YuhwaEr lockte mich in ein Haus am Yalu, unterhalb des Berges Ungsim.

YuhwaDann ging er fort und kehrte nie zurück.

YuhwaMeine Eltern schalten mich, weil ich ohne Ehestifter einem Mann gefolgt war, und verbannten mich nach Ubalsu.

YuhwaAm Wasser von Ubalsu begegnete ich König Geumwa von Ost-Buyeo.

König GeumwaKönig von Ost-Buyeo
König GeumwaWer seid Ihr,
und warum seid Ihr allein hier?
YuhwaIch bin Yuhwa,
die Tochter Habaeks.

YuhwaKönig Geumwa fand mich seltsam und sperrte mich in eine Kammer tief im Palast.

YuhwaDoch das Sonnenlicht drang in die Kammer und schien auf mich.

YuhwaWich ich aus, folgte mir das Sonnenlicht und schien wieder auf mich.

YuhwaDanach wurde ich schwanger und legte ein Ei. Es war riesig, so groß wie ein Gefäß, das fünf Maß Korn fasst.

König GeumwaEin Mensch legt ein Ei?
Was für ein Unding!
König GeumwaWerft es den Hunden
und Schweinen vor!

YuhwaDoch weder die Hunde noch die Schweine fraßen es.

Werft es
auf den Weg!

YuhwaDie Rinder und Pferde traten nicht darauf, sondern wichen aus.

Setzt es auf
dem Feld aus!

YuhwaVögel kamen geflogen und bedeckten es mit ihren Flügeln.

König GeumwaZerschlagt es!

YuhwaDoch das Ei zerbrach nicht.

YuhwaDer König gab mir das Ei zurück. Ich wickelte es in ein Tuch und legte es an einen warmen Ort.

YuhwaMein Kleines, Mama hält
dich warm und beschützt dich.

YuhwaEndlich durchbrach ein kleiner Junge die Schale.

YuhwaDas Kind hielt meinen Finger fest. An jenem Tag weinte ich zum ersten Mal laut.

Laut dem „Lied von König Dongmyeong“ sprach das Kind schon, als es noch keinen Monat alt war.

Baby JumongMutter, Fliegen beißen mich
in die Augen, ich kann nicht schlafen.
Mach mir bitte
Pfeil und Bogen!

YuhwaAls ich ihm einen Bogen aus Buschklee machte, traf das Kind jede Fliege auf dem Spinnrad, auf die es schoss.

Das Kind wuchs prächtig heran. Mit sieben Jahren machte es sich selbst Pfeil und Bogen,

und wann immer es schoss, traf es hundertmal von hundert.

In der Sprache Buyeos nannte man einen guten Bogenschützen
„Jumong“.

König Geumwa hatte sieben Söhne. Die Prinzen waren stets mit Jumong zusammen, doch keiner kam ihm an Geschick gleich.

König GeumwaDaesoKönig Geumwas ältester SohnJumongYuhwas Sohn
Die PrinzenWieder ins Schwarze…
DaesoJumong ist nicht
von Menschen geboren.
Beseitigen wir ihn nicht bald,
bringt er später großes Unheil.

Der König hörte nicht auf ihn. Stattdessen ließ er Jumong die Pferde hüten.

JumongEin Nachfahre des Himmelskönigs
hütet fremde Pferde…
Da wäre ich lieber tot.
Ich will im Süden ein Reich gründen,
doch deinetwegen, Mutter,
bringe ich es nicht übers Herz zu gehen.

YuhwaGenau das hatte mich Tag und Nacht gequält.

YuhwaFür einen weiten Weg braucht man ein gutes Pferd. Ich nahm eine lange Peitsche und ging zum Stall.

YuhwaHast du’s gesehen? Das rote Pferd!

Jumong gab dem flinken Pferd absichtlich wenig zu fressen, damit es abmagerte. Die trägen Pferde dagegen fütterte er gut und machte sie fett.

JumongHalt noch ein wenig durch.

Als der König die Ställe besichtigte und die fetten Pferde sah, war er hocherfreut.

König GeumwaDie fetten Pferde
reite ich selbst.
Den räudigen Klepper
kannst du haben.
Jumong…Ja,
Majestät.

Wortlos nahm Jumong die Zügel.

Und er fütterte und pflegte das Pferd mit aller Hingabe.

Wo andere nur Demütigung gesehen hätten,
schulte Jumong seinen Blick für gute Pferde.

Bei der Jagd bekam Jumong nur ein paar Pfeile.

Die PrinzenDabei hatte er doch
kaum Pfeile…!

Trotzdem erlegte Jumong weit mehr Wild.

YuhwaWieder schmiedeten die Prinzen und die Höflinge Pläne, Jumong zu töten. Insgeheim erfuhr ich davon.

DaesoDiesmal muss er
endgültig weg.
YuhwaDie Leute hier im Reich
wollen dir etwas antun.
Mit deinen Gaben
kommst du überall zurecht.
Statt hier zu zaudern
und Schmach zu erleiden,
geh weit fort
und vollbringe Großes.

YuhwaIch biss mir auf die Lippen, um nicht zu weinen.

YuhwaMein Sohn brachte es nicht über sich zu gehen. Ich wickelte Samen der fünf Getreide ein und drückte sie ihm in die Hand.

Oi, Mari und HyeopboDrei Freunde, die mit Jumong gingen
YuhwaSorg dich nicht um deine Mutter.
Mit diesen Samen
bestell das Land, wo du auch bist.

YuhwaJene Nacht war die letzte, die ich mit meinem Sohn verbrachte.

YuhwaDie Gerstensamen
hat er vergessen…
Fliegt. Bringt sie
meinem Sohn.

Laut dem „Lied von König Dongmyeong“ war Jumong vom Abschiedsschmerz so überwältigt, dass er die Gerstensamen vergaß.

Jumong ritt mit seinen drei Freunden Oi, Mari und Hyeopbo nach Süden.

VerfolgerDa sind sie! Hinterher!

Die Fackeln der Verfolger kamen immer näher.

OiEin Fluss!
Und keine Brücke weit und breit!
YuhwaGeh weit fort und vollbringe Großes.

Vor ihm ein tiefer Fluss, hinter ihm der Hufschlag der Verfolger.

Jumong rief dem Fluss zu.

Ende von Folge 7

Geschichtsnotizen

Die Szenen dieser Geschichte wurden auf Grundlage der folgenden Quellen und Fundstätten gezeichnet.

  1. Der Songhua-Fluss, der durch die Stadt Jilin fließtDer Songhua-Fluss in der Stadt Jilin

    Buyeo, ein Reich am Songhua-Fluss

    Buyeo war ein Reich der weiten Ebenen, durch die sich der Songhua-Fluss windet. Die Forschung sieht sein Kerngebiet in der Gegend der heutigen Stadt Jilin in China, denn in alten Festungsruinen und Gräbern ringsum fand man Gegenstände, die die Menschen von Buyeo benutzt hatten. Schon um das 2. Jahrhundert v. Chr. war Buyeo ein Staat, und es bestand über 600 Jahre lang – bis es 494 in Goguryeo aufging.

  2. Der König, die vier „Ga“ und strenge Gesetze

    Buyeo hatte zwar einen König, doch die nach Pferd, Rind, Schwein und Hund benannten Maga, Uga, Jeoga und Guga verwalteten jeweils ihr eigenes Gebiet (die Sachuldo): Ein großer Ga gebot über mehrere Tausend Haushalte, ein kleiner über mehrere Hundert. Bei einer Missernte machte man den König verantwortlich, und es wurde sogar gefordert, ihn abzusetzen. Die Gesetze waren streng: Wer stahl, musste das Zwölffache zurückgeben (Gesetz der zwölffachen Erstattung), und brach Krieg aus, schlachtete man ein Rind und las die Zukunft daran ab, ob seine Hufe gespalten oder geschlossen waren.

    Chroniken der Drei Reiche, Buch der Wei, „Bericht über die östlichen Völker“
  3. Zwei Überlieferungen

    Die Geschichte von Jumong ist ausführlich überliefert im Samguk Sagi, das Kim Bu-sik 1145 herausgab, und im „Lied von König Dongmyeong“, einem langen Gedicht, das Yi Gyu-bo 1193 verfasste. Yi Gyu-bo schrieb, er habe das Gedicht geschrieben, nachdem er das alte Geschichtswerk Gu Samguksa gelesen hatte. Die Geschichten vom Baby, das Fliegen schießt, von Yuhwa, die mit der Peitsche das Pferd auswählt, und von den Tauben mit den Gerstensamen stehen nur im „Lied von König Dongmyeong“. Auch die List, mit der das Pferd abgemagert wurde, unterscheidet sich ein wenig: Laut Samguk Sagi kürzte Jumong sein Futter, laut „Lied von König Dongmyeong“ stach er ihm eine Nadel in die Zungenwurzel.

    Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo · „Lied von König Dongmyeong“
  4. Der König, der aus einem Ei geboren wurde

    Von den Gründern Goguryeos, Sillas und Gayas heißt es, sie seien alle aus Eiern geboren worden. Auch auf der 414 errichteten Gwanggaeto-Stele steht eingemeißelt: „Der Gründer, König Chumo, kam aus Nord-Buyeo. Er war der Sohn des Himmelskönigs, und seine Mutter war die Tochter Habaeks. Er zerbrach ein Ei und kam zur Welt.“ Darin steckt die Vorstellung eines Kindes, das aus der Begegnung des Himmelssohnes mit der Tochter des Wassergottes hervorging – also von Sonne und Wasser, den beiden Dingen, die für Bauern am kostbarsten sind. Und die Erzählung von Tieren und Vögeln, die das Ei beschützten, bedeutet: „Die ganze Welt beschützte dieses Kind.“

    Gwanggaeto-Stele · Samguk Sagi, Annalen von Goguryeo
  5. Die Mutter, die zur Buyeo-Göttin wurde

    Im „Lied von König Dongmyeong“ ruht Jumong nach der Überquerung des Flusses unter einem großen Baum, als ein Taubenpaar herbeifliegt. „Die göttliche Mutter hat mir Gerstensamen geschickt“, sagt er, holt beide Vögel mit einem einzigen Pfeil herunter und nimmt die Gerstensamen heraus; dann bespritzt er die Tauben mit Wasser, bis sie wieder zu sich kommen, und lässt sie fliegen. In dieser Folge haben wir die Tauben so gezeichnet, als hätte Yuhwa selbst sie losgeschickt. Später gab es in Goguryeo einen Schrein der „Buyeo-Göttin“ mit einer aus Holz geschnitzten Frauenfigur; man sagte, sie sei die Tochter Habaeks. So wurde die Mutter, die ihrem Sohn Getreidesamen in die Hand gedrückt hatte, zur Göttin eines Reiches.

    „Lied von König Dongmyeong“ · Buch der Zhou, „Bericht über Goguryeo“
  6. Wandgemälde „Jagdszene“, Muyongchong-GrabWandgemälde „Jagdszene“, Muyongchong-Grab

    Bogenschützen zu Pferd

    An der Wand von Muyongchong, einem Goguryeo-Grab in Ji’an in der chinesischen Provinz Jilin, ist eine Jagd gemalt, bei der Reiter im vollen Galopp Pfeile schießen (die „Jagdszene“). Man sieht sogar einen Jäger, der sich im Sattel umdreht und nach hinten schießt. Jumongs Nachkommen waren stolz auf diese Kunst, vom Pferderücken aus zu schießen.

  7. Ein traditioneller koreanischer Bogenschießplatz heuteEin traditioneller koreanischer Bogenschießplatz heute

    Jumongs Bogen, der Bogen von heute

    Der traditionelle koreanische Bogen „Gakgung“, aus Schichten von Wasserbüffelhorn, Bambus, Maulbeerholz und Rindersehnen zusammengeleimt, ist berühmt dafür, klein und doch kraftvoll zu sein. Noch heute schießt man auf Bogenplätzen im ganzen Land auf Scheiben in 145 Metern Entfernung. Im olympischen Mannschaftswettbewerb der Frauen im Bogenschießen gewann Korea von 1988 bis 2024 zehnmal in Folge Gold.

Schlüsselbegriffe dieser Folge

Nächste Folge

Folge 8 · Die Brücke aus Fischen und Schildkröten

Aus dem Fluss tauchten Fische und Schildkröten auf und bildeten eine Brücke. Jumong, der in Jolbon Goguryeo gründete; ein Wettschießen mit Songyang von Biryu und „Damul“; und sein Sohn Yuri, der mit dem Stück eines zerbrochenen Schwertes kommt, um seinen Vater zu suchen.

Bildnachweis

Alle Illustrationen dieses Webtoons sind neu gezeichnet; Namen und Dialoge der Figuren sind auf Grundlage historischer Fakten und Forschungsergebnisse frei nachgestaltet. Datierungen und Deutungen folgen der in der Forschung üblichen Darstellung; wo die Meinungen auseinandergehen, sagen es die Geschichtsnotizen.